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können, seinen Zweck in sich selbst haben: es soll sein,was es ist, und nichts mehr noch Anderes; wenn es aberlehren und bekehren soll, so muss es fremden Zweckendienen, und diese Zwecke stören oft ganz und gar die reinkünstlerische Darstellung und Vollendung: Schadow's Quelldes Lebens ist eine solche Darstellung. Der Quell desLebens soll ein Symbol sein für das erlösende Christen-thum; das in der Bibel oft gebrauchte Wortbild von demlebendigen Brunnen, der die Verlechzenden erquickt, isthier zur bildlichen Erscheinung gebracht, die Bedeutungschwindet unter der Wucht der materiellen Erscheinung,und diese wird ohne die Bedeutung abgeschmackt. Mitden Worten Quell und Brunnen können wir alle möglichenIdeen verbinden und gebrauchen sie umschreibend für dieabstractesten Begriffe; ein gemalter Brunnen aber ist wie einwirklicher, eben nur ein Brunnen, und Wasser ist Wasser.
Ein Brunnen ist dargestellt. Unter dem Becken des-selben steht in einer Nische ein Steinbild, die Gottesmuttermit dem Leichnam des Heilandes im Schooss, darunter er-giesst sich aus einer Röhre das Wasser; die Inschrift „Fönsvitae" lehrt uns, was wir davon zu denken haben. Ringsum den Brunnen drängen sich Leute aller Stände undschöpfen und trinken; das ist das Bild, welches in über-grossen Figuren einen Raum einnimmt, der dem Inhaltnicht entspricht. Es ist ganz unabwendbar, dass in solchenDarstellungen die Figuren zu blossen Formeln für Begriffewerden und das selbstständige Leben verlieren müssen, weiljede etwas Anderes vorstellen soll, als was sie wirklichdarstellt. Je mehr nun die bildliche Erscheinung sich derindividuellen natürlichen Erscheinung anschliesst, um sogrösser wird der Zwiespalt zwischen Inhalt und Form, umso unmöglicher wird das Kunstwerk.
War es des Meisters Mangel an Phantasie, war es dieWahrheitstreue, die ihn im Glauben an die Unfehlbarkeitder Natur, an die zufällige natürliche Erscheinung fesselte,genug, in Schadow's Bildern ist immer das Modell mit