2 02
Herrn von Strombeck 1 ) stimme ich darin überein, dass mit demWerlu unseres Chronisten nur die alte Reichspfalz Werla an derOcker gemeint sein kann. Sie liegt auf dem geraden Wege vonQuedlinburg nach der Asleburg (Hesleburg), und war ein be-festigter Platz, der als kaiserliche Residenz dem Thronpräten-denten ein doppelt geeigneter Stützpunkt für seine weiterenUnternehmungen sein musste. Ebenso halte ich das SeusunThietmars 2 ) mit Herrn von Strombeck unbedingt für das jetzigeStädtchen Seesen. Bedenken dagegen waren berechtigt, so langeman die Hesleburg für die einst etwa eine Stunde so. von Wolfen-büttel gelegene Asseburg im alten Derlingau, in der Mark Denkte,hielt. Läge sie hier, dann wäre es allerdings seltsam, wennman zum Zweck von Friedensverhandlungen zwischen zweiParteien, von denen die eine in der Veste Werla, die andere inder Asseburg lag, einen noch dazu entlegenen Ort gewählt hätte,den die Vertreter der königlichen Partei kaum anders erreichenkonnten, als unter Passierung des Lagers ihrer Gegner in Werla.Nimmt man dagegen unsere Asleburg für die civitas Hesleburgder Chronik, so liegt Seesen von beiden Lagern gleich weitentfernt, mithin für eine Zusammenkunft sehr geeignet. Diesenahe liegende Erwägung und die Gewissheit, dass ein Ortsnamewie Hesleburg nur durch Verfälschung, niemals durch Ausstossendes Konsonanten 1, in Asseburg übergehen konnte, würde längstdie Entscheidung der Historiker zu Gunsten unserer Asleburgherbeigeführt haben, wenn nicht das Dunkel, welches diese Burgund ihre bislang ganz unbekannten Besitzer umgab, sowie derGlaube an die Echtheit des Chronicon Corbejense, welches denSammelplatz der königstreuen sächsischen Fürsten in den Der-lingau verlegt 3 ), die richtige Unterscheidung der beiden namens-verwandten Burgen selbst in Werken neuerer Autoren 4 ) ver-hindert hätte.
!) Z. d. H.-V. 3. Jahrg. (1870), 928 ff. — 2 ) „Sehuson in Ambergo" inUrk. v. 7. Juni 974. (M. G. DD. II, Nr. 36.) — 3 ) „In pago Derlingo incivitatem Asaburg" sagt zum Jahre 984 das von P. Wigand in „Corvey'scheGeschichtsquellen" u. a. als Fälschung Falke's erkannte Chron. Corbej.(Wedekind, Noten I, 394; JJ, 150). — 4 ) Richtig erkannt haben das Ver-hältniss, soweit ich sehe: v. Heinemann, Brschw. u. Hannov. I, 106; Böttger,Brunonen, 154, Note; 306; v. Strombeck in Z. d. H.-V., 3. Jahrg. (1870),931; Cohn in Forsch. VT, 549; Günther, Ambergau 145; Heinze, Gesch. d.Stadt Alfeld, 29. Dagegen hielt der gelehrte Verfasser des Asseburger