Druckschrift 
Aus meinem Leben : Nachgelassene Aufzeichnungen des am 26. Mai 1876 zu Düsseldorf verstorbenen
Entstehung
Seite
33
Einzelbild herunterladen
 

33

die Reform von Seiten des Staates meine vieljährigen Be-strebungen erfüllt wurden. Ich hatte auf meiner wissenschaft-lichen Reise meine Aufmerksamkeit auch auf die Organisa-tion des Militair-Medicinälwesens der Staaten gerichtet, die ichbereist hatte, und gefunden, dass das preussische in dieser Hin-sicht weit hinter dem aller anderen Staaten zurückstand, den An-forderungen der Gegenwart nicht entsprach. Es bestand im Com-pagnie-Chirnrgen noch das Eeldscheerwesen des vorigen Jahrhun-derts, das bei der Organisation der Armee im Jahre 1808 nureine scheinbare Verbesserung erhalten hatte, indem derFeld-scheerer" nunmehrCompagnie-Chirurg" genannt wurde und statt6 Thlr. Gehalt nunmehr 10 Thlr. neben dem Commisbrod erhielt,und das Princip festgehalten wurde, jeder Compagnie und Esca-dron einen Chirurgen zuzuweisen, die, mit Ausnahme der wenigen,welche jährlich von den militairärztlichen Bildungs-Anstalten ge-liefert wurden, aller Wissenschaftlichkeit entbehrten und dem invielen Staaten Deutschlands noch zünftigen Baderstande entnom-men wurden, also nur Barbiergehülfen darstellten. Selbst inOesterreich und Sachsen war, obgleich dieser Stand ärztlicher Ge-hülfen 'in den Armeen dieser Länder noch den Typus aus demsiebenjährigen Kriege nachwies, für grössere wissenschaftliche Bil-dung und die Stellung im Heere Manches geschehen. In allenübrigen Staaten, mit Ausnahme Württembergs, war dem militair-ärztlichen Stande hinsichts der Anforderungen an die Wissenschaftund an eine würdigere Stellung im Heere längst Rechnung getragenworden. Meine bisherige dreizehnjährige Stellung als Regiments-arzt hatte mir bereits Gelegenheit genug verschafft, die Mängelund Gebrechen der Organisation und die Nachtheile, welche derArmee und dem Sanitätsdienste erwuchsen, auf dem Wege derErfahrung kennen gelernt zu haben. Ich hatte mich überzeugt,dass das preussische Militair-Medicinalwesen in seinen Wurzelnfaul war und dass diese durch eine Reform angegriffen werdenmüssten, um weiter darauf bauen zu können.

In den vierziger Jahren begann eine in allen anderen Ver-hältnissen bereits hervorgetretene reformatorische Strebsamkeit

3