— 32 —
Tugenden, die ihn als Menschen, Arzt, Gatten und Bruder zierten,wird mein Schmerz über diesen Verlust nie erlöschen, und aufsEmpfindlichste gesteigert, wenn ich sein an meinem Schreibpultehängendes, wohl getroffenes Bild betrachte, das im Jahre 1838auf Veranlassung seiner Kranken angefertigt ist. —
Mit dieser tödtlichen Erkrankung meines theuren Bruders fieleine gleiche des ältesten Bruders meiner Frau, Komeo, Professorsder Beeilte zu Bonn, eines höchst intelligenten Lehrers und be-rühmten Schriftstellers, zusammen. Wohl in Folge angestrengterin die Nacht fortgesetzter Arbeiten, litt er schon längere Zeit anden Folgen eines organischen Hirnleidcns, das, sich langsam ent-wickelnd ihn allmälig stumpfsinnig und sprachlos machte, dierechte Körperhälfte unvollkommen lähmte und bei Entwickelungder somatischen Seite die animale immer mehr hervortreten Hess.In diesen höchst traurigen Verhältnissen wurde er von der Familiegetrennt und in das elterliche Haus aufgenommen, um der erfor-derlichen Pflege und Aufsicht theilhaftig zu werden. Sein Todtrat unter Krämpfen am 5. December 1843 ein. Die Obductionwies ein Schwinden der rechten Gehirnhälfte nach. — Er hinter-liess eine Gattin, Alwine, geb. Rittershausen, und zwei kleine Kin-der, William*) und Helene. — So tief der Verlust eines so er-wachsenen und der Familie zur Ehre lebenden Sohnes für dieEltern und alle Angehörigen war: so stellte der Tod nach einerso langen trostlosen Leidenszeit doch eine Wohlthat dar.
Eine ganz andere Richtung nahm meine literarischeThätigkeit mit dem Beginn der vierziger Jahre, wodurch ge-wissermassen ein Lebensabschnitt begründet wurde, dessen Ab-grenzung aber später erfolgen soll. Sie wurde der Reformdes preussisclieu Militair-Medicinalweseiis zugewandt undstellte für mich eine Lebensaufgabe dar, die ichbis zum Jahre 1867 verfolgte, als in diesem Jahre erst durch
*) Seit einigen Jahren bereits Professor Ordinarius der Geschichte ander Universität in Königsberg.