Druckschrift 
Aus meinem Leben : Nachgelassene Aufzeichnungen des am 26. Mai 1876 zu Düsseldorf verstorbenen
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

23

verlobte ich mich am 19. April 1834 mit Bertha,der einzigen Tochter des Ober-Post-DirectorsMaurenbrecher zu Düsseldorf. In dem festen Glau-ben, mein Lebensglück durch den Besitz dieser Frau begründetzu sehen, bin ich nie getäuscht worden; denn im patriar-chalischen Princip erzogen und 23'/ 2 Jahre alt, verband siemit einer das weibliche Geschlecht zierenden Weiblichkeit undGemüthlichkeit den Verstand, der erforderlich ist, um eine rich-tige und klare Anschauung vom Leben und dessen zulässigenGewährungen zu besitzen, und den Gegenstand ihrer Liebe vomrichtigen Gesichtspunkte aus zu würdigen und zu fesseln. Ihrfröhliches und kindliches Gemüth versprach mir auf meinemLebenswege eine Erheiterung des meinigen, das oft durch hypo-chondrische Verstimmung umwölkt wurde, und ihre kräftigeKörper-Constitution das Ausbleiben von Trübsalen aller Art, be-sonders durch Erkrankungen u. s. w. Dass der Brautstand mitseinen Beizen, welcher ein Jahr lang hingezogen, und dass dieAufnahme in den angenehmen Familienkreis meiner künftigenSchwiegereltern, welche mich meine Braut immer näher kennenlernen Hess, auf meine Gemüthsstimmung einen wohlthuendenEinfluss ausübten, an die Welt fester ketteten, als es bisher derFall gewesen war und mich mit beglückenden Hoffnungen allerArt erfüllten, lässt sich leicht ermessen. Möchten meine gutenSöhne bei der Wahl einer Lebensgefäbrtin eben so glücklich sein!Im November desselben Jahres reiste ich nach Wiesbaden,wohin mein alter Vater gekommen war, um seine Schwiegertochterund deren häusliche Einrichtung kennen zu lernen. Ich brachtemeinen Vater mit nach Düsseldorf, um ihm die Gelegenheit zuverschaffen, auch meine Braut und deren Eltern kennen zu lernen,die seinen vollen Beifall erwarben. Bei der Bückreise nachPrettin begleitete ich ihn bis Elberfeld, wo er nach einigen Stun-den Schlafes sehr früh den Eilwagen bestieg. Als ich des imWagen sitzenden guten Vaters Hände in die meinigen bis zurAbfahrt schloss, glaubte ich nicht, dass ich sie zum letztenMale drücken würde!