Druckschrift 
Aus meinem Leben : Nachgelassene Aufzeichnungen des am 26. Mai 1876 zu Düsseldorf verstorbenen
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22

einem heftigen Nervenfieber mit eretiscbem Charakter, das ihn anden Rand des Grabes brachte. Zur gleichen Zeit kam seine Fraumit einem Söhnchen darnieder, das sieben Wochen alt am Pem-phigus starb, während die Mutter desselben ebenfalls erkrankteund ihrem Gatten die erforderliche Pflege nicht zuweisen konnte.Ich musste in solchen bedrängten Verhältnissen der Helfer in derNoth sein, nicht nur die Pflege, sondern auch die Fortbehandlungseiner Kurkranken übernehmen. Ich umgehe, die Leidenszeit zuschildern, die ich bis zum Eintritt seiner Convalescenz durch-gemacht habe. Die körperlichen Anstrengungen während desTages und der Nacht, die fortwährende Spannung des Gemüths,der grosse Kummer um den Ausgang und die enorme Hitzehatten bald nach der Rückkehr nach Düsseldorf eine heftige Gelb-sucht zur Folge, die meine Kräfte noch mehr schwächte, meinGemüth sehr beugte und mich längere Zeit an die Stube kettete.Nach der Wiederherstellung von dieser lästigen Krankheitwidmete ich mich in der zweiten Hälfte des Winters 1833/34mehr der Geselligkeit, und fand auf Bällen die Gelegenheit, denGegenstand meiner Liebe, meine künftige Gattin näher kennen zulernen, die mir schon vorher nicht gleichgültig gewesen war. DieAbsicht, unverheirathet zu bleiben, hatte ich nicht. Noch einigeSchulden, zu denen auch 200 Thlr. Promotionsgelder gehörten,die ich längst hätte abtragen können, wenn ich nicht in jedemFrühjahre meine Reiselust befriedigt hätte; ferner die bisherigeSorge für meinen Bruder, der ich nun nach seiner Niederlassungin Wiesbaden überhoben wurde, und die mir obliegende Pflicht,beim Tode meines Vaters für meine Mutter und unverheirathetgebliebene Schwester Louise Amalie sorgen zu müssen, für dieeventuell nur eine Pension von 100 Thlrn. disponibel wurde,hatten mich von der Verwirklichung meines Wunsches bisher ab-gehalten und bereits 36 Jahre alt werden lassen. Obigen Be-denklichkeiten gegenüber hielt ich die nunmehrige Verheirathungfür nothwendig, wenn ich die Versorgung meiner etwaigen Kindernoch erleben wollte. Mein Herz siegte über die Reflexionen desVerstandes, jedoch die Pflicht gegen die Meinigen festhaltend