Druckschrift 
Aus meinem Leben : Nachgelassene Aufzeichnungen des am 26. Mai 1876 zu Düsseldorf verstorbenen
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

16

Der Zweck dieser Keise konnte nicht der Besuch von Vor-lesungen und Kliniken sein, sondern der der Stätten, an denendie ärztliche Wissenschaft und Kunst blühte, das Kennenlernender Coryphäen derselben, die ich aus ihren Werken kannte, derHospitäler, Kliniken, Museen, Cabinete, Sammlungen u. s. w., wo-bei Kunstgegenstände und Schönheiten der Natur nicht links liegengelassen wurden. Ausserdem richtete ich besonders noch meineAufmerksamkeit auf die Organisation des Militair-Medicinalwesensder verschiedenen Staaten und dessen Institutionen, zu welchemZweck mir von meiner Behörde mehrere Empfehlungsschreibenmitgegeben wurden. Am 1. Mai 1828 trat ich vorbereitetmeine Eeise an, besuchte nach kurzem Verweilen bei den Elternzu Prettin bei Torgau die Uhiversitäts- und wichtigsten StädteDeutschlands, Hollands und Belgiens und traf am 14. Juni ej. a.in Aachen zum Gebrauche dessen Heilquellen ein. Nach sechs-wöchentlichem Aufenthalte daselbst setzte ich meine Keise am1. August über Brüssel und Ostende nach London fort, woselbstmir durch die Ueberbringung von 18 Diplomen der Hufelandschenmedicinischen Gesellschaft an die berühmtesten Aerzte bei den-selben Eingang und somit die Gelegenheit verschafft wurde, inkurzer Zeit zu allen Anstalten Zutritt zu finden und viel sehen zukönnen. Von London begab ich mich nach Edinburg und Glas-gow, von hier über Leeds, York und Darlington nach Dublin,kehrte über Oxford noch einmal nach Aachen zurück und lernteüber Dover reisend in Chatham die grossen militairärztlichen An-stalten kennen. Dass ich von England aus nicht direkt nachParis ging, daran war der Wunsch schuld, in dieser Weltstadtnach Beginn des Wintersemesters einzutreffen und inzwischen nochdie Schweiz kennen zu lernen. Dieser Zweck wurde aber wegender schon ungünstigen Jahreszeit und Nebeln nicht erreicht, wess-halb Prof. Locher-Balber in Bern mir rieth, zu Wasser und zuLande einen Theil Nord-Italiens zu besuchen. Diesem Käthefolgend reiste ich über Chur und den Bernhardin nach Turin,nach Besuch des Lago maggiore nach Genua, Pavia und Mailand,von hier über Sesto - Calenda und Domo d'Ossola, den Simplon