zu halten, was noch zu halten ift Noch lebt das alte Volkslied,noch wandelt frifch und lebensfroh In unjerer Mitte, was unfereVäter geliebt, geträumt und gelitten. , 'Noch heute raunt dietotgefprochene Freya aus dem Blättergewande der Hafelin, undTannhufers Klagelied tönt wie vor taufend Jahren aus VrenelisBerg. Das Erbe ift groß und herrlich, aber die Erben könnennichts mehr und wiffen nicht, was fie befitzen. Auch heute nochgehen und kommen neue volkstümliche Lieder, „Volkslieder",wem's gefällt, aber das trieft von Sentimentalität und ver-fchwommenen Gefühlen. Wo ift das Schlichte, Innige, Liebens-würdige geblieben?----------Hier gilt's, ein edles Gut zu be-wahren.
Zum Schluffe noch ein Wort an des Büchleins Freund.Falls dir jenes oder diefes Lied fremd und unverftändlich dünkt,fo vergiß nicht: auch die Melodie hat eine oft fchwierige Pointe,die erfaßt fein will. — Singe das Lied des öfteren; ein paarZupfgeigenakkorde, die das Verftändnis überrafchend erleichtern,findcft du im Anhang: c'est la sauce, qui fait le poisson. —Nur nicht zu viel in den Saiten herumgekratzt, hier ein weicherMollakkord angefchlagen und dort eine fragende Septime, dasgibt deinem Vortrage Leben. Und dann noch eins: bitte mög-lichft wenig Chorgebrüll! Auf der Landftrafje felbftverftändlichund unter dem Stadttore fortiffimo. Aber Inmitten der freienLandfchaft, da ift die einzelne Menfchenftimmo etwas eigenartigSchönes; der einzelne wird immer Gefühl und Temperament Indas Qefungene hineinlegen; eine gehaltvolle Melodie im Chorusgefungen ift und bleibt: Baftardierung der Gefühle. So [olldas Büchlein endlich dazu dienen, Sangeskunft und Sinn für diefchlichte, fcliöne Art des Volkes zu fördern, mit hinwirken nachdem Brennpunkte unferer hautigen Kulturbeftrebungen: Liebezum Volk und Ehrfurcht vor feinen unvergänglichen Werken.
Heidelberg, Weihnachten 1908.