288Ansehung seiner äußern Verhältnisse zu unter-stützen. Dies würde ein tieferes Eindringen insLebenswandel wirklich zeigen, daß es ihr aufrich-tiger Wille ist: bessere Menschen zu werden.Friedrich II. war von der traurigen kleinlichenMaxime, „den Aberglauben zu hegen, weil dasAnsehen der Priesterschaft eine Stütze der welt-lichen Gewalt sey (Tacit. Hist. V. 8.) “ bekannt-lich weit entfernt, doch kam der große Monarchin den freymüthigsten Ergießungen seines Geistes (inseinem Briefwechsel mit d'Alembert und Voltaire)fast immer wieder auf den wenig versprechendenSatz zurück: „daß es ein Bedürfniß der Men-„schen sey, zur Bestätigung der höchsten Ver-„nunftbegriffe etwas in die Sinne fallendes zu„verlangen, und daß daher die von der Natur„anscheinlich selbst eingepflanzten, durch Erziehung,„Gewohnheit, Pfaffenbetrug, Liederlichkeit u. s. w.„genährten Keime des Aberglaubens nicht wohl„ausgerottet werden könnten.“— Unser Zeitalterhat sich indessen, besonders seit den letzten zweyDezennien, von den gröbern Ausschweifungen desAberglaubens doch merklich gereiniget: allein destoschauderhafter schildert man uns dagegen nun vonallen Seiten vom Verderbnisse der Sitten umringt;täglich, sagt man, werde es lauter und unver-schämter; es drohe, über ganze Völkerschaften sichzu verbreiten, und die kommenden Geschlechterzu verschlingenDie Meynung, und Klage beynahe aller,welche mit der Stimmung der Menge am meistenbekannt
Druckschrift
Ueber den Staatsbürgervertrag oder Grundsätze des öffentlichen Rechtes
Entstehung
Seite
288
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten