Druckschrift 
Ueber den Staatsbürgervertrag oder Grundsätze des öffentlichen Rechtes
Entstehung
Seite
274
Einzelbild herunterladen
 

274Ich möchte vielmehr behaupten, daß ein sol-ches Volk (wenn es irgend eins gäbe) bey allseiner Vortrefflichkeit weder zu den kraftvollen,noch zu den selbstständigen gehören würde. Vorlauter Vollkommenheit würde es ihm an innererHaltung gebrechen; eben seine Vollkommenheitwürde der Keim seiner Zerstörung seyn.Ein Jeder wurde seine Pflicht erfüllen; dieUntergebenen würden den Gesetzen gehorsamdie Obern gerecht und milde, die Gerichtsstellenrein und unbestechlich seyn; die Soldaten würdenden Tod verachten; es würde keine Eitelkeit, nochPrachtliebe überhand nehmen: Alles dieses klingtsehr schön; aber laßt uns weiter hören.Das Christenthum ist eine geistige Religion,die sich bloß mit überirdischen Dingen beschäftiget.Das Vaterland des Christen ist nicht von dieserWelt. Er thut seine Pflicht, es ist wahr; aberer thut sie mit der tiefsten Gleichgültigkeit, obetwas gutes, oder etwas schlimmes daraus er-folge. Wenn er nur sich nichts vorzuwerfenhat, so kümmert er sich wenig darum, ob es imübrigen gut oder böse hienieden gehe. Ist derStaat im Flor; so wagt er es kaum, sich desallgemeinen Wohlstandes zu freuen; er fürchtet,auf den Ruhm seines Landes stolz zu werden.Ist der Staat im Verfall; so segnet er die Handdes Herrn, die schwer auf'm Volke liegt.