218dem Vertrage selbst. Aber man wird fragen:wie kann ein Mensch frey, und dennoch ge-nöthiget seyn, sich einem Willen zu fügen, dernicht der seinige ist? Wie können die Anders-geſinnten frey, und dennoch Geſetzen unterwor-fen seyn, zu denen sie ihre Beystimmung nichtgegeben haben?Ich antworte: daß man die Frage erst etwasrichtiger stellen müßte. Der Staatsbürger wil-liget in alle Gesetze, auch in diejenigen ein, dieseinem Willen entgegen gehen, ja selbst in die-jenigen, welche ihn bestrafen, wenn er es wagensollte, eins zu verletzen. Der beständige WilleAller ist der allgemeine; durch ihn sind sieStaatsbürger, und frey (*). Wird also inVolksversammlungen ein Gesetz in Vorschlag ge-bracht, so werden die Bürger nicht gerade ge-fragt: ob sie den Vorschlag billigen, oder ver-werfen wollen, sondern ob sie ihn mit dem all-(*) In Genua stehet am Eingange der Gefängnisse,und auf den Fesseln der Galeeren=Sklaven dasWert Libertas, geschrieben. Ein schöne, passen-de Anwendung des republikanischen Wahlspruches.Die Uebelthäter aus allen Ständen sind wirklichdie einzigen, die den Bürger hindern, frey zu seyn.In einem Lande, wo dergleichen Leute alle auf denGaleeren wären, würde man die Frepheit in ihrerganzen Vollkommenheit genießen.
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Ueber den Staatsbürgervertrag oder Grundsätze des öffentlichen Rechtes
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218
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