144So wie es aber keine Regierung giebt, dieeine größere Wirksamkeit hätte, als diese: sogiebt es auch keine, worin der Privatwille soeigenmächtig herrschen, so leicht die Andern alltübermeistern könnte. Alles arbeitet auf einesZweck? Es ist wahr; aber dieser Zweck ist beyweitem nicht der Zweck der allgemeinen Wohl-fahrt; eben die Wirksamkeit der Regierung machtsie so geneigt, zur Beeinträchtigung des Staateszu dienen.Die Könige wollen unumschränkt seyn, undvon ferne ruft man ihnen zu: „das beste Mittel-es zu werden, sey die Liebe ihrer Völker.“ Einschöner, auch in vielem Betracht' ein wahrerSpruch; nur Schade, daß man an den Höfender Großen sich nicht sehr daran kehren wird.Die Gewalt, welche aus der Liebe der Völker ent-springt, ist freylich die größte; aber es ist dochnur eine erbethene, eine bedingte Gewalt, wo-mit die Fürsten sich wohl nicht begnügen werden.Die Könige, selbst die guten, wollen wenigstensnach Belieben böse seyn können (mm), ohne da-durch ihre Obergewalt zu verlieren. Mag derſtaatskundige Schönredner Beweiſe auf Beweiſe..häufen:(mm) „Nam impune quaelibet facere, id est Re-gem esse“ Sallust. Jugurt. XXXI. — TacitusHist. IV. 8. druckt dies ungleich feiner aus. —Fürstenspiegel S. 267 — 275.
Druckschrift
Ueber den Staatsbürgervertrag oder Grundsätze des öffentlichen Rechtes
Entstehung
Seite
144
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten