- 93
nungen und Handlungen es nicht genug ist, nur das Böse zufliehen, sondern von der praktischen Vernunft auch das Gutezu thun gefodert wird; so ist es auch nach den Geboten dertheoretischen Vernunft nicht hinreichend, sich nur vor denunverzeihlichsten Fehltritten im Denken zu hüten; wir müßenauf ihr strenges Geheiß unfern Erkenntnißen und Wortenauch all die Vollkommenheiten zu geben suchen, die uns nachder natürlichen Einrichtung unscrs Geistes möglich sind.Deshalb deuten uns jene negativen Kennzeichen der Wahr-heit nicht alles an, wenigstens nicht bestimmt genug, woraufein richtendes Auge zu sehen hat, und deshalb werden dieeuch angegebenen Kriterien: Klarheit und Deutlichkeit, Har-monie, Ordnung und Zusammenhang, Gründlichkeit undConsequenz, in ihrer positiven Faßung als weit bestimm-tere und bequemer zu befolgende Winke, bei der Beurthei-lung fremder sowol als bei der Regelung der eigenen Mei-nungen und Äusserungen vorzuziehen sein. Ihr könnet euch,meine Geliebten! bei euren künftigen Prüfungen und For-schungen nach Wahrheit mit mn so viel größerer Sicherheit die-ser Charaktere bedienen, als sie — wie ihr aus meinen vor-hergehenden Darstellungen wol schon gesehen habt — jenealterhrwürdigen Kriterien, die man auch zugleich die Gesezedes DenkenS genannt, nicht feindselig verdrängen sondernanerkennend in ihre eigenen weiteren Bezirke einschließen; undso möget ihr denn auf eurer herannahenden scientisischenLaufbahn sie mit all dem Glük und Geschike anwcnden, daseuch zu dem schönen Ziele eines Hellen Geistes sowie zu einertiefen Einsicht in die Natur der Dinge und eurer heiligenInteressen führt. Wie daH am nächtigen Himmel erglänzendeSiebengestirn uns die in der großen Natur herrschende ewigeWahrheit verkündet, dem irrenden Schisser Aufhellung undsichere Richtung zuwinkt und ihn mit seinem untrüglichen Lichteden rechten Weg finden läßt: so möge auch die Hebdomasder in eurem Geiste schimmernden Wahrheitszeichen euchmächtig inS Bewußtsein leuchten und den Pfad erhellen, den