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In den lezten Unterredungen habe ich mich bemüht, euch,Geliebte! zu zeigen, wie ihr von eurer Kindheit an eure Be-griffe von den Dingen der Natur in eurem Geiste gebildet.Heute nun will ich euch auf eine höhere Stufe des Denkensführen, die gleichsam den Mittelpunkt unsers ganzen Ver-standesgebrauchs, den Herd oder Brennpunkt unseres theore-tischen Geisteslebens ausmacht, auf das Urtheilen. So-wie nämlich der Mathematiker, nachdem er die fünf Artendes Rechnens durchdacht und dabei gezeigt hat, wie dermenschliche Verstand in den manchfaltigsten Weisen sich Zalenbildet, nun die Rationen oder Beziehungen der Größen zueinander ins Auge faßt und Andere zu lehren sucht: ebensokommt der Logiker, nachdem er die fünf arithmetisch gestuftenBildungen der Begriffe gewiesen, jezt auf diejenige Funktiondes Geistes zu sprechen, durch welche wir mit unserem Den-ken das Verhältnis der Dinge entoeken. Betrachtetnämlich Einer von euch, geliebte Schüler! irgend ein Objektin der Natur oder am Menschen, und erkennt an demselbeneine Eigenschaft, einen Besiz, ein Wirken oder Leiden, einenZustand, eine Art seines innern Verhaltens oder irgend eineBeziehung zu einem andern Dinge, so bestimmt er, entwederblos im Gedanken oder auch zugleich durch das lebendigeWort, dies erkannte Verhältnis des betrachteten Objektes,und indem er dies thut, urtheilt er über den angeschautenGegenstand. Rufet z. B. Einer aus euch in frohem Lebens-gefühle aus: Diese Blume ist schön; diese Trauben schniekenlieblich; hier im kühlen Schatten ist es angenehm; es gehtdoch nichts über ein gut Gläschen Wein, auch mundet unseine süß duftende Cigarre: so erkennt er die Verhältniße derBlume, der Traube, des Schattens, des Weines, des Ni-kotins; und indem er diese Verhältniße entweder sich selbstim Stillen sagt, oder laut gegen Andere äußert, die ihn um-geben, urtheilt er über die Dinge die ihm so viel Lust ge-währen. '
Urtheil ist somit die Bestimmung irgend eines erkann-