Aber auch in der Mathematik bedient man sich dieser Ma-nier, eine Sache deutlich zu machen, Jemanden von einemGegenstände einen Begriff zu geben, z. B. Wenn eine ge-rade Linie an dem einen ihrer beiden Endpunkte befestigtund um diesen Punkt so lang herumgedrcht wird, bis sie wie-der in ihre erste Lage zurükkommt, so entstehet der Kreis,die vollkommenste aller mathematischen Figuren. Man nenntdiese von dem Entspringen oder der Genesis einer Sache ge-nommene Erklärung die genetische Definition und sie istdem gemeinen Menschenverstände weit einleuchtender und ge-läufiger, als die Merkmalsangabe des schon bestehendenDinges oder VerhältnißeS, die mehr auf wissenschaftlichemGebiete gefordert wird.
Aber noch leichter ist ein dritter Kunstgriff, sich ausder Verlegenheit zu helfen, wenn man von irgend einem Ge-genstände oder Ausdruk keine Definition geben kann. Manführt nämlich statt des Inhaltes einige Jnhälter des zu er-klärenden Gemeinbegriffes, einige Glieder seiner Sfäre an;mir andern Worten, man gibt von der zu erklärenden Sacheeinige Beispiele. So antworten die Schulkinder auf dieFrage, was ein Substantiv oder ein Verbum sei? in folgen-der Weise: Hauptwörter sind: »Vater, Lehrer, Brot,Obst;" Zeitwörter dagegen sind: »gehen, stehen, essen." —So machen es alle Leute mit gemeinem oder empirischem Be-wußtsein. Fragt man sie z. B., was sie unter einem Cou-trakte verstehen, so antworten sie: »Nun, wenn Zwei hei-rathen, oder Einer ein Haus kauft, eine Leibrente sich aus-bedingt, einen Pacht übernimmt oder einem Andern Geldleiht. Anstatt des Inhaltes eines Begriffs, der ihnen nochnicht deutlich ist, obwol sie ihn mit Klarheit besizen, legensie einige Glieder seines Umfanges, d. i. einige seiner Artendar und zeigen dadurch, daß sie die Dinge dieser Gatrungkennen und von allen andern Dingen zu unterscheiden wissen.Und diese Klarheit der Vorstellungen istfürihren Haus-undLebensgebrauch hinreichend; sodaß es ungerecht wäre, wenn