20
stützten „Studien und Kritiken“ 1850 in Gemeinschaft mitA. Neander und Julius Müller die „Deutsche Zeitschrift fürchristliche Wissenschaft und christliches Leben“ begründete.Schleiermaclier, nach dem er in Wort und Schrift warm fürdie Union eintrat, bezeichnet?, ihn „als. den Mann, von demer am liebsten sowohl gelobt werde als getadelt,“ währendNitzsch selbst nichts dagegen hatte, wenn man ihn nebenTwesten unter den positiven Systematikern für den Haupt-vertreter der Sclileiermacher’schen Dogmatik hielt. Gleich-wohl kam er in wesentlichen Punkten der evangelischenWahrheit näher, indem er in seinem bereits in Bonn heraus-gegebenen, die Dogmatik und Ethik verknüpfenden „Systemder christlichen Lehre“ an Stelle des Schleiermacher’schenchristlichen Bewusstseins das zugleich objektive und subjek-tive Prinzip des in der Schrift beurkundeten Wortes Gotteseinsetzte. Seine litterarische Hauptleistung ist die 1847 be-gonnene und 1867 ein Jahr vor seinem Tode vollendete„Praktische Theologie“. Alles im allem war der tiefchrist-liche Charakter, der unermüdliche Arbeiter für Kirch6 undReich Gottes, der biblische und damit wissenschaftlich un-befangene Theologe, um mit seinem Biographen Beyschlagzu reden, „eine Lichtgestalt der neueren deutsch-evangelischenKirchengeschichte.“
Als hervorragender Vermittelungstheologe auf kirchen-geschichtlichem Gebiete soll nicht unerwähnt bleiben dersächsische Pfarrerssohn N i e d n e r, welcher 1859 als ordent-licher Professor und Konsistorialrat nach Berlin berufen wurdeund hier noch sechs Jahre bis zu seinem Tode hochbefriedigtund im Segen wirkte. Niedner war eine eigenartige Persön-lichkeit. Während seiner Berliner Wirksamkeit schlief er inimmensem Fleiss zeitweise nur eine Nacht um die andre,gönnte sich selten einen Spaziergang, hatte auch „zum Hei-raten keine Zeit“. Sein Lehrbuch der Kirchengeschichte von1846 ist ausgezeichnet durch umfassende Quellenforschung,strengste Objektivität und scharfsinnige Stoffbelierrschung.Auf dem Felde der historischen Theologie hat er sich da-durch für alle Zeiten neben einem Gieseler, Neander undHase einen hervorragenden Ehrenplatz erworben. Auch alsHerausgeber der Zeitschrift für historische Theologie hat ernicht Unbedeutendes geleistet. Mit seinem Kollegen Nitzschund vielen andern Geistlichen Preussens und Sachsens trater dem Protest 58 badischer Pfarrer gegen Schenkels „LebenJesu“ bei.
Der Württemberger Isaak August Dorner hat untersein Bild Kol. 2, 3 geschrieben: „In Christo liegen verbor-gen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.“ DiesBibelwort ist charakteristisch für die spekulative Begabung