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Zur Culturgeschichte Frankreichs im XVII. und XVIII. Jahrhunderte
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Voltaire arbeitete auch gegen diese Missstände nach Kräften.Er war Gutsherr in Ferney, das er aus einem unbedeutendenDorfe von 50 Einwohnern zu einem wohlhabenden Städtchenumschuf, indem er die Uhrenindustrie einführte. Die Bauernunterstützte er auf jede Weise, baute ihnen Häuser, half ihnenmit Geld aus der Noth und schlichtete ihre Streitigkeiten. Inihrem Interesse schrieb er Brochuren, Beschwerden, Eingabenan die Regierung und juristische Ausführungen, und setzte esu. A. durch, dass die kleine Provinz, die er bewohnte, diedrückende Salzsteuer ablösen konnte.

Im Jahre 1776 kam Frau von Genlis, die bekannte Er-zählerin, auf der Durchreise nach Ferney, und liess sich durchihre Frömmigkeit von einem Besuche bei dem alten Herrn nichtabhalten. Voltaire machte eine Spazierfahrt mit ihr durch dieGegend, und Frau von Genlis schrieb darüber in ihren Memoiren:„Voltaire erscheint hier grösser, als in seinen Büchern. Ueberallerkennt man eine einsichtige Güte, und man kann sich nichtvorstellen, dass dieselbe Hand, die so viel Gottloses und Bösesgeschrieben, so edle und nützliche Einrichtungen geschaffen hat“.

Derselbe Voltaire erlaubte sich freilich neben dieser segens-reichen Thätigkeit allerlei sonderbare Scherze. So machte es ihm einbesonderes Vergnügen, sich vom Päpste zum weltlichen Kapuziner-pater ernennen zu lassen. Der „pere temporel“ hatte die Ver-waltung der eingehenden Almosen und überhaupt die Leitungder weltlichen Geschäfte des Ordens in einem bestimmten Bezirke.

Voltaire Kapuziner! Das klingt komisch, und er selbst hatgewiss darüber gelacht. Er glaubte nun auch das Recht zu haben,

zum Predigen-und als ihm eines Tages eine Kuh gestohlen

wurde, bestieg er die Kanzel der von ihm in Ferney erbautenKirche — es war in der Charwoche 1768 — und donnerte gegendie Sünde des Diebstahles. Der Bischof von Annecy, zu dessenSprengel Ferney gehörte, belegte ihn dafür freilich mit dem Banne,und es entwickelte sich ein Streit, der zwar heftig, aber mit-unter possenhaft geführt wurde.

Ich würde sobald nicht enden, wollte ich Voltaire’s Wirkenim Dienste der Humanität eingehend schildern. Ich erinnere nocheinmal zusammenfassend daran, dass er die religiöse Verfolgung,die gerichtliche Tortur, die Launen und Gewaltthaten der Justiz,