Druckschrift 
Zur Culturgeschichte Frankreichs im XVII. und XVIII. Jahrhunderte
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

I.

In den ersten Novembertagen des Jahres 1600 war dieStadt Marseille mit besonderem Leben erfüllt, denn man er-wartete die Ankunft der neuen Königin von Frankreich. Hein-rich IV. hatte um die Tochter des Grossherzogs Franz vonToscana, Maria Medici, geworben und diese hatte sich nach vor-ausgegangener feierlicher Trauung mit Heinrich’s Stellvertreter,dem Herzoge von Bellegarde, am 18. October in Livorno einge-schifft. Durch widrige Winde in Portofino, auf dem Gebiete vonGenua, zurückgehalten, lief ihr Schiff erst am 3. November imHafen von Marseille ein.

Wie sie da unter dem Donner der Kanonen, dem Geläuteder Glocken, begrüsst von rauschender Musik und dem jubelndenZurufe der neugierigen Menge, landete, entwickelte sich einprächtiges Schauspiel. Königin Maria kam auf der Prachtgaleereihres Oheims, des Grossherzogs Ferdinand I., die als dasschönste und am reichsten ausgestattete Fahrzeug galt, das manjemals gesehen hätte. Eine stattliche Flotte, sechs Florentinerund fünf Malteser Galeeren, gaben ihr das Geleite, und auchPapst Clemens VIII. hatte fünf Galeeren zum Schutze und zurEhre des Brautzuges gesandt.

Eine solche Prachtgaleere bot einen zauberhaften Anblick.Der niedrige, langgestreckte Bau leuchtete in bunten Farbenund war mit Figuren und Goldverzierungen reich geschmückt.Auf dem Hinterdecke erhob sich in gefälligem Aufbaue die Ca-jüte für die hohen Reisenden, die auch oben auf einer Veranda sichder freien Luft und der Aussicht auf das Meer erfreuen konnten.Ein leuchtendes, meist rothes, golddurchwirktes und mit Gold-fransen verziertes Zeltdach schützte dabei gegen Sonne und