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Kaufmann, der mit seinen Waaren des Weges dahinzog, musstegewärtig sein, von den Soldaten der kriegführenden Parteienangehalten und gebrandschatzt zu werden. Gelang es ihm,diesen zu entgehen, so fiel er vielleicht Räubern in die Händedie ihm seine Habe und sein Leben nahmen, oder er musstesich die Erpressungen der habsüchtigen und gewaltthätigenSchlossherren, wahrer Raubritter, gefallen lassen. Eigenmächtigerhoben diese Zölle auf den Flüssen und Landstrassen, fingenauch gern die wohlhabenden Reisenden unterwegs ab, um siedurch harte Haft, ja selbst Torturen, zur Zahlung eines Löse-geldes zu nöthigen.
Die öffentlichen Anstalten verfielen in der langen Zeit derUnordnung. Die Landstrassen wurden geradezu unfahrbar; dieBrücken verschwanden umso schneller, da sie meistens schonaus militärischen Gründen zerstört wurden. Auch die Wälderwurden gräulich verwüstet. Ueberall Verfall, Elend und Jammer!
„0 blut’ge Heimat, o verzweifelt Land!
Doch nein, nicht Land mehr, r,ur noch Asche —“
ruft d’Aubigne im Beginn seiner „Tragiques“, *) und es bedarfkaum eines Hinweises, um klar zu machen, dass unter solchenUmständen Rechtspflege und Gerechtigkeit keine Stätte fand.Die Richter standen entweder im Dienst des Parteihasses odersie- waren erkauft, wenn sie nicht etwa eingeschüchtert waren.Am schlimmsten sah es in dieser Hinsicht auf den Besitzungendes Adels aus, der die Justizhoheit besass. „Bestechlichkeit undRäuberwesen in Amt und Würden scheinen mir ganz unerträg-lich. Im Wald ausgeplündert zu werden, thut uns weniger weh,als wenn es an sicherem Ort geschieht“, sagt Montaigne, undsein Wort beruhte auf Erfahrung 2 ).
Die schwerste Einbusse, welche die Nation durch denlangen Krieg erlitt, war aber nicht materieller Natur. Städteund Dörfer können aus ihren Ruinen wieder erstehen, Industrieund Handel neu begründet werden, und das fruchtbare Land
‘) d’Aubigne 1. 89. Weiter unten sagt er: „L’injustice est principe dedroit“. (I. 234.)
J ) Montaigne, a. a. O.