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Zur Culturgeschichte Frankreichs im XVII. und XVIII. Jahrhunderte
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es ja den Keim aller heutigen Entwicklungen und Bestrebungenin sich trug.

Mit dem Abschlüsse der Religionskriege begann für Frank-reich eine neue, in vieler Hinsicht fruchtbare Zeit. KönigHeinrich IV. ging mit Bewusstsein an die Umbildung des Feu-dalstaates, der bis dahin noch bestand, zu einem Gemeinwesen,das den Ideen der neu anbrechenden Zeit entsprach. DieseIdeen waren wesentlich demokratischer Natur, und das Allesumfassende Walten und Schalten der Fürsten darf uns darübernicht täuschen. Indem sie daran arbeiteten, alle Stände desVolkes gleichermassen unter ihren Willen zu beugen, beför-derten sie die demokratische Gleichstellung aller Classen, dieVerschmelzung der bis dahin noch ziemlich selbständigen Pro-vinzen, die gleichförmige Bildung der Nation, soweit diesmöglich war. Vielleicht hat zu keiner Zeit und bei keinemVolke eine solche Üebereinstimmung der oberen und mittlerenClassen in Sitte, Bildung, Geschmack und allgemeinen Ideenbestanden, wie wir sie während des achtzehnten Jahrhundertesin Frankreich finden.

Welch eine Kluft scheidet das siebzehnte Jahrhundert vonseinem Vorgänger! Das Zeitalter der Reformation weist über-raschende Gegensätze, die verschiedenartigsten Gestaltungenund Bestrebungen auf, gewaltigen Kampf und versöhnende Milde,moralische Grösse und finstere Verbrechen, Hoheit und Ge-meinheit; kurz, alle Formen des Lebens wirbeln in jener ge-waltigen Zeit durcheinander, und nur schwer vermögen wiruns in die Verhältnisse jener Zeit zurückzuversetzen. Umgewan-delt erscheint uns dafür das Wesen des folgenden Jahrhunderts.Die Arbeit ‘der demokratischen Ausgleichung tritt zu Tage, dieMenschen werden einander ähnlicher, sie erscheinen gemässigt,wie gebändigt. Man bedarf keines grossen Scharfblickes, umhier die Vorbedingungen der mehr und mehr socialistischenStaatsreformen des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderteszu erkennen. Diese Veränderung trat nicht allein in Frankreichein, sie zeigte sich, stärker oder schwächer, überall. Selbst inDeutschland, das unter den Schrecken des dreissigjährigenKrieges duldete, erhielten die Verhältnisse ein modernes Ge-