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Lotheissen (geboren am 20. Mai 1833 in Darmstadt) ent-stammte einer angesehenen hessischen Beamtenfamilie; seinVater war Hofgerichts-Präsident und lange Zeit Vorsitzenderder zweiten Kammer gewesen. Nach Absolvirung der Gymna-sialstudien in der Heimatstadt bezog Ferdinand die UniversitätenGöttingen, Berlin und endlich Giessen, wo er promovirte. DieseStudentenzeit war die fröhlichste seines Lebens: denn in seinenKinderjahren hatte Lotheissen einen n angewandten Cursus derPathologie“ am eigenen Leibe durchgemacht und nach den Uni-versitätsjahren trieben ihn unleidliche politische Zustände ausdem Vaterlande. Auf der Hochschule aber fand er Lust, Kraftund Zeit, neben seinen eigentlichen Fachstudien als Philolog undHistoriker der „Vollendung seiner Persönlichkeit“ im Sinne deralten Humanisten zu leben. Mit ausdauerndem Eifer widmete ersich in Mussestunden naturwissenschaftlichen Liebhabereien; inBerlin besuchte er mit Alexander Gonze, dem nachmals sohochverdienten Archäologen, das Collegium des MuseumsdirectorsWaagen, und die Tagebücher Lotheissens aus jener Zeit bringenoft eingehende Betrachtungen über hervorragende Kunstwerke,zumal der Antike. Dabei suchte er gern selbständig seinen Weg.„Ein Autodidakt“, so lautet ein Eintrag, „kann einseitig sein,aber meist bewahrt er sich besser das Leben und das Feuer der Be-geisterung. Uebrigens ist am Ende Jeder mehr oder wenigerAutodidakt. Ich gestehe, dass mir die Vorlesungen an der Uni-versität sehr wenig genutzt haben; kaum dass sie mir Anregunggaben. Freilich kann man auch auf die Universitäten Hamlet’sWort anwenden, dass etwas faul sei im Staate Dänemark.“Treulich bestrebte auch er sich darum, „Natur und Kunst zuschauen“, von keinem Namen getäuscht, von keinem Dogma be-irrt. Und als äussere Verhältnisse ihn drängten, sich frühzeitigauf eigene Füsse zu stellen, arbeitete er stetig und emsig anseiner Ausbildung fort. Als Erzieher im Hause des Herrn vonMumm in Frankfurt a. M. hörte er noch 1857 Collegien überChemie und Physik: in seinem letzten Lebensjahre (1887) kaufteer sich ein Büchlein, „Anleitung zur Erkennung der Bäumeund Sträucher“, in der Absicht, die Pflanzen seines Hausgartensgenauer kennen zu lernen: so war und blieb er ein ewiger Student.