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2 (1846) [Aus - Cal]
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766
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766 Vürgertugend.

weil es die Bürgertugend hintansehte, preisgab dem Jesuitismus und Aristokratismus,dem fanatischen religiösen Verketzerungseifer mit seiner Zerreißung des Volkes, und demaristokratischen Kastengeist und seiner Unterdrückung des Volkes, seinem Verrath desVaterlandes an die Fremden! Und dennoch sieht man aufs Neue so viele unglückseligedeutsche Bürger den Verrath gegen das Vaterland erneuern und pietistischen, jesuitischenund orthodoxen Ketzerversolgungen und den Anfeindungen der Freiheit und Bürgertugenddie Hand bieten. Der hochmüthigste Kastengeist, die nichtswürdigste Selbstsucht undHerrschsucht solcher unglückseligen Parteiführer und Parteimänner bestimmt ihren Bruchder Bürgertugend, ihren Verrath am Vaterland, den sie heuchlerisch mit der angeblichhöheren Religionspflicht beschönigen möchten. Insbesondere suchen uns jene unglückseligeHerrschsucht und der Hochmuth der Frommen und der Priester oder auch schlauer weltlicherDespoten, welche das Dumm- und Schlechtmachen für sich benutzen, oder endlich trageund wollüstige Erschlaffung, so wie überhaupt um die wahre, die praktische christliche,so auch um die Bürgertugend zu betrügen. Sie thun es durch Verachtung unserer in diesemLeben zu verwirklichenden Aufgaben und die träumerische, feige und träge Hinweisung undHinwendung blos auf das unbekannte Jenseits. Sie machen so nicht blos die Bürgergleichgültig und verrätherisch gegen die wahren praktischen Pflichten ihres irdischen Daseins,welche allerdings in übersinnlichen Ideen ihre Lebenskraft und ihr entferntes Endziel finden,sondern sie selbst riefen auch durch ihre verderbliche Einseitigkeit die gleich trostlose mate-rialistische Verneinung des Uebersinnlichen und des Jenseits und aller Beziehung auf das-selbe hervor.

Auch unter dem Vorwand allgemeiner weltbürgerlicher Pflichten sahen wir nur all-zuhäusig die Bürgertugend, die Pflichten gegen das Vaterland hintangesetzt, großentheilsaus selbstsüchtiger, feiger Bequemlichkeit, jedenfalls aus Jrrthum. Diese philosophischenVerirrungen sind nicht minder gefährlich als jene theologischen.

Doch noch gefährlicher fast sind die Verletzungen der Bürgertugend unter dem Vor-wände der Pflichten gegen die untergeordneten Vereine der Familie, der Gemeinde, derZunft, der Standeskaste.

Am verbreitetsten und am gefährlichsten ist hier offenbar in Deutschland eine ein-seitige und selbstsüchtige Entgegensetzung der Familienliebe und derFamilienpflichten gegen die wahre, aufopfernde, muthige, patriotische Bürgertugend,gegen dis patriotische Vertheidigung der Freiheiten und Rechte des Vaterlandes vorzüglichin Friedenszeiten. Ein Schriftsteller Vollgraff hat sogar ein größeres Werk: DieSysteme der praktischen Politik im Abendlands. Gießen 1828, blos zurAusführung des Gedankens geschrieben, daß die germanischen Völker nur Familien-,nicht, wie die alten, Staatsvölker seien, das Heist, daß sie unfähig für politischen Ge-meinsinn und Bürgertugend und mithin auch unfähig für wahre Sittlichkeit und zur Be-gründung wahrer Staaten seien, so gänzlich unfähig, daß er ihre Staaten nicht einmalStaaten, sondern nur Staten (Zustände) nennen will. Diese Theorie ist nun aller-dings eben so wie alle solche absoluten Gegensätze der blos relativ verschiedenen historischenZustände gesitteter Völker unzulässig. Es ist eine sehr große Täuschung, bei den Völkerndes klassischen Alterthums, so herrlich sich auch bei ihnen in ihren schönsten, leider meistnicht langen Zeiten ein freies, sittliches und bildungsreiches Staatsleben entfaltete, dieso oft übergroße Selbstsucht und die Richtung, nicht auf Wohl und Ehre des Gemeinwesens,sondern auf die Privatgenüsse und Besitzthümer, die, ja diese Staaten so oft zerrüttetenund zuletzt zum Untergange führten, ganz zu übersehen. Auch natürliche und an sich edlereFamilien- und Stammsverhältnisse und noch häufiger unedle Geschlechtsverhältnisse unddie Leidenschaften für dieselben wurden bei den alten Völkern oft dem bürgerlichen Gemein-sinn verderblich. Und es ist eine nicht minder große Unwahrheit, den germanischen Völ-kern alle wahre Sittlichkeit und Bürgertugend, allen wahren politischen Gemeingeist undfreies Staatsleben ganz absprechen zu wollen. Es erscheint dieses gleich unwahr für dieErscheinungen der freien altgermanischen Volks - und GenossenschaftsvereiriL, für die freienStädte und Staaten des Mittelalters, für die herrlichen Zeiten der Schweizer und Nieder-länder, endlich für die freien Völker und Staaten der Neuzeit und namentlich für die freien