Ausweisung, s. Fremdenpolizei.
Autokratie, s. Absolutismus und Staatsverfassung.
Auto de Fe*). Im Jahr 1559, am 21. Mai, dem Dreieinigkeitsfeste, sahman zu Valladolid in Spanien auf dem großen Marktplätze Emporbühnen im Halb-kreise aufgerichtet; auf einer derselben den Erzbischof von Sevilla, Generalinquisitor, mitdem ganzen Collegium der Inquisition, auch vier andere Bischöfe und die Collegien derStaatsbeamten. Auf dem Platze, den Straßen, an allen Fenstern, selbst auf den DächernGedränge von Zuschauern. Frühe vor sechs Uhr in feierlichem Zuge trat in die königlicheLoge auf einer besonder» Bühne vor dem Palaste die Regentin Johanna, Schwesterdes Königs'Philipp II, und der damals vierzehn Jahre alte Kronprinz Don Carlos,mit dem Erzbischof von San Jago de Compostella, dem ganzen Hofstaate und vielem an-dern Adel. Hierauf bewegte sich in einer von Bewaffneten durch die Menge gezogenenGasse ein Zug von Gefangenen, vom Jnquisitionsgebäude aus, zwischen Bütteln der In-quisition, voran ein Kreuz in schwarzes Tuch gehüllt und die rothe Fahne der Inquisition,mit den Namen von Papst und König, und wurde auf einem andern Gerüste aufgestellt.Die Gefangenen trugen das Armesünderkleid, San Benito genannt—> verderbt aus8i>eo beiillito, wie früher das geweihte Bußkleid hieß — ein langes Stück gelben wollenenZeugs, ohne Aermel, init einer Oeffnung für den Kopf, das vorn und hinten bis auf dasKnie frei herabhangt, nach Art eines Skapuliers; auf dem Kopf eine Tiare (hohe spitzigeMütze). Die Hände der Unglücklichen waren vorn mit Stricken gebunden, in den Hän-den brennende Fackeln von grünem Wachse. Bei den zum Lebendigverbrennen Bestimm-ten war auf Kleid und Mütze ein Mensch, umgeben von Flammen und s.g. Teuselsgestalten,gemalt; bei den zu milderer Todesstrafe Verurtheilten die Spitze der Flammen umge-kehrt; bei den mit dem Leben Begnadigten nur röthliche Andreaskreuze zu sehen; dieFackeln dieser Letztem nicht angezündet. Än beinahe Allen erblickte man die Spuren grau-samer Folter. An der Spitze der Gefangenen standen fünf Geschwister, darunter zweiGeistliche und eine Nonne, neben dem gleich ihnen bekleideten Standbild einer Frau, dasman auf eine hölzerne Kiste gestellt hatte. Es war das Bild ihrer vorder Untersuchungverstorbenen Mutter Eleonore de Videro, deren Leichnam in jener Kiste lag, um mitden Kindern von denselben Flammen verzehrt zu werden.
1) Llorente Krit. Geschichte der spanischen Inquisition. Aus Originalacten der Ar-chive der Inquisition- Uebers. und mit Anm. von I. K. Hdck. Gmünd, Ritter 1819 —1822. 4 Bde. 8. Hauptst. XX. Abschn. 1. — Joachim Beringer, der hispan. Inqui-sition Heimlichkeiten. Amberg 1612. Cap. 16. (Eine Uebersetzung des höchst seltenen Werks:Ueginallli Oon 2 sIvi> IVIontanis 8. inquisltlonis lilspanlcss arte» aliquot äe-teetae. Uelllelb. 1567. 8. Von dem Vf- Reynald Gonzalez de Montes, einem Do-minikaner, der das Glück hatte, 1558 aus dem Gefängnisse der Inquisition zu entkommen,und dann als Lutheraner im Bilde verbrannt wurde, sagt Llorente a. a. O. XXI. 1. § 4:,,Jch glaube, daß man ihn als zuverlässigen und die Wahrheit schreibenden Historiker bei denThatsachen, die ich nicht im Archive des Raths der Oberinquisition gefunden habe, benutzendarf.") — Bakers vollst. Historie der Inquisition. Aus dem Engl, von Tieffensee, Ko-penhagen, 1741. 8. Cap. 28. — Uelatlone stell' ^tto llella belle, ebs »i ö velsbratollall' olüclo stella^Inquisitione lli Vallallollä nel tzlorno äella 88. 1'rlnita 1559. I»Lolntzna, eon Ileentia äei »uperiorl. (In den blemolre« ok tl>e 6ounc!l ok '1'rent; prin-elpall^ llerivell lroiu Ü18, aast unpubliskell recorst». Ux Nsllstbam. 1-onllon, 1834,8, p. 334 »gq.