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2 (1846) [Aus - Cal]
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76 Baiern.

wesen, wie es sich entwickelte, war er abhold. Er suchte namentlich Baiern eine selbst-ständige Stellung zu sichern, so daß es, ungehemmt durch den Bund, als souveraineMacht geachtet werde, wie auch mehrere andre europäische Staaten von gleicher Volkszahl.Von allen Seiten erhoben sich nun aber in der diplomatischen Welt Gegner wider Mont-gelas, so daß König Max wahrend seines Aufenthalts zu Wien im Winter 1816 zu 1817sich das Versprechen abnehmen ließ, ihn vom Staatsruder zu entfernen. Doch blieben,ungeachtet mancherlei Umgestaltungen, manche seiner Grundansichten noch längere Zeitherrschend, namentlich jene, denen zufolge Baiern stets als sonverainer Staat aufzutretenpflegte.

Die späteren Jahre der Regierung des Königs Max bilden offenbar nicht derenGlanzperiode. Die Gutmüthigkeit des Fürsten, die ihn häufig veranlaßte, sich allzuleichtüber wichtige Dinge hinwegzusetzen, wurde sehr oft misbraucht; insbesondere herrschte invielen Zweigen der Verwaltung eine große Verschwendung, so daß der Finanzzustand in-mitten des Friedens immer zerrütteter wurde. — Dessen ungeachtet erregte die Kunde vondem am 13- Oktober 1825 plötzlich durch einen Schlagfluff herbeigeführtcn Tode diesesFürsten, des Gründers einer neuen Verfassung, bei der großen Masse des baierischen Volkes,namentlich aber bei den Beamten, eine sehr allgemeine und ungeheuchelte Trauer. NurWenige waren anderer Ansicht. —

Dieersten Anordnungen des neuen Königs Ludwig erregten die freudigsten Hoff-nungen und wurden mit lautem Jubel begrüßt. Durchgreifende Ersparungen im Staats-haushalte sollten alsbald ins Leben treten, um Ordnung in den Finanzen herbeiznführen :überflüssige Stellen wurden aufgehoben und Ersparungen im Heere und in der Hosver-waltung eingeführt. Manche Familien zwar wurden durch die plötzliche Umgestaltungschwer betroffen, doch betrachtete man dies und einige andere dabei hervortretende Härtenals vorübergehende Uebel. Die Eensur aller nichtpolitischen Blätter wurde als verfas-sungswidrig aufgehoben und somit der Presse namentlich die Besprechung der inländischenVerhältnisse freigegeben. Der edle freimüthige Ton, in welchem des geistvollen und bie-dern Ilr. Eisenmann'S „bairisches Volksblatt", welches der berühmte Feuerbach dasMuster einer konstitutionellen Zeitung pries, so mancben Misstand undFehlgriff besprechendurfte, gereichte König Ludnsig's Regierung zu größerem Vortheilund Ruhme als alleLobhudeleien kriechender Scribenten. (Möchten doch alle Regierungen stets dieser that-sachlichen Wahrheit eingedenk sein!) — Der König selbst erklärte feierlich in einer Thron-rede: „er möchte nicht unumschränkter Herrscher sein," und bei einer andern Gelegenheit:„er sei der äußerste Linke in Baiern."

Indessen erfolgte allmälig eine Aenderung in den Regierungsgrundsätzcn, besonderseinige Zeit nach der Julirevolution. Die Einen hielten dies für dringend nothwendig,sonach für einen glücklichen Wendepunkt; die Andern ergossen sich in Klagen, daß Baiernseine Stellung verkenne und seine Gegenwart und Zukunft opfere. Die Eensur wurde mitgrößerer Strenge als selbst in irgend einem andern deutschen Lande geübt. Die politischenProcesss häuften sich. Die Gerichte, in denen mancherlei Veränderungen und Personen-wechsel stattgefunden, glaubten mit aller Strenge politische Regungen Niederdrücken zumüssen. Ueberall ward auf scharfe Strafen und dabei namentlich bei Majestätsbeleidi-gungen aufknieende Abbitte vor dem Bilde des Königs erkannt, wie dieses das inden 7 ältern Kreisen geltende Strafgesetzbuch von 1813 vorschreibt. (Dasselbe ist bekannt-lich von Feuerbach verfaßt, der hierin allerdings einen ans Unbegreifliche glänzendenMisgriff beging). Männer wie den berühmten Rechtslehrer und LandtagsabgeordnetenBehr und den gleichfalls gefeierten Eisenmann traf dieses Loos. Ihre Vergehungenund die richterlichen Verhandlungen und Entscheidungsgründe blieben bis jetzt— geheimemündliche Mittheilungen abgerechnet — im Dunkel. Auch in der Folge, als beinahe inallen Landern Amne stieen verkündet wurden, geschah dies in Baiern nicht, und so ent-behren denn namentlich die beiden genannten Bürger jetzt, nach 14 Jahren, noch ihrerFreiheit; doch fanden einzelne theilweise Strafmilderungen statt. Verschiedene ausgezeich-nete Männer, worunter die berühmten Universitätslehrer Schön lein und Oken, ver-ließen, theilweise förmlich entfliehend, das Land, um sich politischen Untersuchungen zu ent-