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hergestellt und begann alsbald ihre segensreichen Wirkungen zu verbreiten. Eine Reiheanderer Misstande hörte bald auf. — Spater erfolgte die Aufhebung der Klöster, derenGüter großentheils zur Ausstattung von Schulen und Pfarreien bestimmt wurden. Diereligiöse Duldung ward nicht blos als Grundsatz ausgesprochen, sondern auch der Thatnach in Ausführung gebracht. Endlich suchte die Regierung jene Bande möglichst zu er-leichtern, welche den Landbau, Gewerbe und Handel fesselten.
Gewiß waren dies vielfache und hohe Verdienste, und um so weniger braucht dieSchattenseite umgangen zu werden. Viele dem Lande gemachte schöne Versprechungenblieben unerfüllt; die Besetzung der Beamtenstellen erfolgte in höchst einseitiger Weise,sehr häufig aus Begünstigungen; die alten Eensuredicte kamen wieder auf, selbst dasSpionirwesen, Verfolgungen und Eabinetsjustiz; der Malteserorden ward feierlich wie-der eingesetzt; die Regierung ließ sich zum Staunen Europas verleiten, mit Rußland einBündniß gegen Frankreich abzuschließen, somit der neuen Coalition beizutreten; ja Eng-lands Gold konnte soweit Eingang finden, daß in dem ausgesaugten und entvölkertenBaiern 12,000 Mann ausgehoben wurden, um wie eine Heerde an England verkauft zuwerden ").
Viele der Beschwerden, welche damals in Baiern erhoben wurden, waren Ergebnisseder allgemeinen Gestaltungen der Zeit. Dazu rechnen wir das maßlose Centralisiren.„Alles Leben kam von der Regierung, die von oben herab ordnete und regelte, ohne daß siedas Leben von unten unterstützte, oder, wo sie das rechte Maß nicht hielt, in die gehörigenSchranken wies" "). Die Beamtenhecrschaft trat überall hervor und zeigte sich oft ineinem empörenden Misbrauch ihrer Allgewalt. Es fielen zahllose Unredlichkeiten, Betrü-gereien, Unterschlagungen, Mishandlungen des ganzen Volkes und Bedrückungen der Ein-zelnen vor. Manche Vorkommnisse granzten an das Unbegreifliche. —>
In Folge des Friedens von Lüneville (1801) verlor Baiern die ganze Rheinpfalz(denn auch die auf dem rechten Stromufer gelegenen Besitzungen wurden als Entschädi-gungsobjecte benutzt), die Herzogthümer Jülich und Zweibrücken, Parcellen der Graf-schaft Sponheim rc., zusammen 220 Qu.-Meilen mit 730,000 Menschen und 5,500,000Fl. Einkünften. Dagegen erhielt es zufolge des Reichsdeputationshauptschlusses (vom25. Februar 1803) die Bisthümer Bamberg, Freising und Augsburg vollständig, Würz-burg und Passau theilweise, so wie 12 Abteien und 15 Reichsstädte im baierischen,schwäbischen und fränkischen Kreise (darunter Ulm, Kempten, Memmingen, Nördlingen,und Schweinfurt) zusammen mit ungefähr 280 Qu.-Meilen, 840,000 Einwohnern und6,600,000 Fl. Einkünften. — Im Kriege von 1805 schloß sich Baiern an Napoleon an.Der Preßburger Friede brachte ihm eine reiche materielle Belohnung dafür. Zwar mußtees das zu einem besonderen Staat erhobene Würzburg abtreten, erhielt aber dafür denRest des passauischen Gebietes, ganz Tyrol sammt Vorarlberg rc., die MarkgrafschaftBurgau, das Fürstenthum Eichstädt, und die freien Städte Augsburg und Lindau, zu-sammen an 500 Qu.-Meilen mit einer Million Menschen. Ferner ward das Herzog-thum Berg an das von Preußen (gegen den Besitz Hannovers) abgetretene Anspach ver-tauscht. Auch nahm der Kurfürst von Baiern mit dem 1. Jan-1806 die Königs würdean. Er stellte sich hierauf (12. Juli 1806)an die Spitze der deutschen Fürsten, welche dieRheinbundesacte unterzeichneten, und übernahm damit die Verbindlichkeit der Liefe-rung eines Heeres-Eontingentes von 30,000 Mann. Gegen unbedeutende Abtretungenan Württemberg erhielt Baiern nun weiter die Reichsstadt Nürnberg, sowie vieleinseinGebiet eingeschlossene oder an dasselbe gränzende kleine Fürstenthümer, Grafschaften,Herrschaften und ritterschaftliche Güter, deren Herren jedoch im Jahre 1807 als Mediati-sirten besondere Vorrechte zuerkannt wurden.
13) In vielen Schriften, die zu Anfang dieses Jahrhunderts erschienen, wurden bittereKlagen über die Regierungsweise erhoben. Wir nennen eine der am besten geschriebenen:„Wahrer Ueberblick der Geschichte der baierischen Nation, oder das Erwachen der Nationennach einem Jahrtausend." Mit der (unrichtigen) Druckbezeichnung: „Straßburg, 1800."
14) Weitzel's Worte im Artikel Baiern in d. 1. Aufl. des Staatslexikons.