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Baiern.
DasVerlangen Oesterreichs nach dem Besitze Baierns hörte indessen damit keineswegsauf. Sechs Jahre nach dem Frieden vonTcschen(1785)suchte der Kaiser Josephll.den Planauszuführen, Baiern gegen die österreichischen Niederlande (mit Ausnahme Luxemburgsund Namurs) zu vertauschen; Karl Theodor sollte dabei den Titel eines Königs vonBurgund und die Summe von drei Millionen für sich und den Herzog von Zweibrückenerhalten. Der Letzte, insgeheim wieder durch Preußen dazu veranlaßt, widersetzte sichaber, und FriedrichU. fand hierdurch Veranlassung zur Gründung des Fürstenbundes.Der Plan gedieh nicht zur Ausführung.
Karl Theodor's Regierung war keine gute. Verschwendungssucht, Unmoralität undDespotismus werden ihm in der Reihe zum Vorwurf gemacht. Aemter und Stellenwurden verkauft, Pfaffen und Maitressen und deren Günstlinge wirkten corrumpirend indie Staats- und Regierungsverhaltnisse ein'; oft schien fast Alles feil zu sein. Des Kurfür-sten Eitelkeit und Sinnenlust verleitete ihn zu ernormem Aufwands, zu dessen Bestreitungsodann die bedrückendsten und schmählichsten Mittel angewendet wurden; Künste undWissenschaften unterstützte er, mitunter reichlich, aber nicht um ihrer selbst willen, sondernals bloße Liebhabereien, wobei er sehr begreiflicher Weise mehr dem Scheine opferte alsdas Wesen förderte, für das er wenig Sinn hatte. Viel Staatsvermögen wurde fürdie Erhebung und Bereicherung seiner unehelichen Kinder vergeudet. Um seinem Lieb-ling unter denselben, den erzumFürsten Bretzenheim erhoben hatte, eine möglichstglanzende Stellung zu gewähren, verpflanzte man den Malteserorden nach Baiern undübergab demselben, zu dessen Haupt Jener erklärt worden, in unverantwortlicher Weisedie reichen Güter des vom Papst aufgehobenen Jesuitenordens, welche große Besitzthümerfür Erhaltung und Verbesserung der Schulen hatten dienen sollen und bereits dafür be-stimmt waren. Die Schulen wurden statt aller Verbesserung vielmehr vernachlässigt, jaman gab sie den Mönchen preis. Fürchterliche Inquisitionen, die schärfsten Censuredicle,Landesverweisungen, Jlluminatenverfolgungen, überhaupt ein wahrer Terrorismus lähm-ten jedes volksthümliche Streben. Die Folgen davon wurden bald sichtbar. Die erstenStrahlen keimender Aufklärung verschwanden; die Literatur sank tief herab; überall sahman den Verstand in Fesseln geschmiedet; Schmeichelei, Dummheit und Wollust, ge-folgt von einer erschreckenden Sittenverderbniß ^), traten ohne Scheu und Scham hervor.
Mit dem am 16. Februar 1799 erfolgten Tode Karl Theodor's erlosch auch dieneuburg-sulzbacher Linie, und die zweibrücker gelangte zur Regierung. Maximi-lian Joseph IV. nahm die Kurwürde und das Land in Besitz, ohne daß diesesmal (einseltener Ausnahmsfall!) eine fremde Macht Ansprüche erhoben hätte — eine Folge derFurcht vor dem Geiste der französischen Revolution, der man es zu verdanken hat, daßErbfolg ekriegeendlich aufhörtcn, die Länder mit Blut zu begießen, nur damit dieser oderjener Herrschsüchtige seine Gewalt über ein Land oder einen Volksstamm weiter aus-dehnen könne!
Maximilian's Auftreten als Kurfürst wurde fast allgemein mit lauter Freude be-grüßt. Fühlte er gleich selbst, daß Er zum Regieren nicht erzogen sei, daß es ihm insbe-sondere an einer höher» wissenschaftlichen Bildung und an vielseitigen Kenntnissen ge-breche, so ersetzte doch sein einfacher natürlicher Verstand gar Manches, selbst ohne innereTiefe. Er war gutmüthig und wünschte wenigstens im Allgemeinen die Aufklärung zubefördern. Dabei besaß er in Montgelas einen aufgeklärten, thatkcäftigen und geschci-den Minister.
So begann die neue Regierung mit Aufhebung des allgemein verhaßten Malteser-ordens, dessen reiche Güter der Volkserziehung zurückgegeben wurden. Jene Männer,welche ihrer aufgeklärten Grundsätze wegen verbannt waren, wurden zurückgerufen. Nurverdiente Leute sollten die Staatsämter erhalten. Die Freiheit der Presse ward wieder
12) Man hat es der Bevölkerung von München schon mehrfach zum Vorwurf gemacht,daß die Zahl der unehelichen Geburten jene der ehelichen oft weit.übersteigt, was inParis und allen andern großen Städten niemals vorkommt. Unter Karl Theodor wurde derGrund auch zu dieser Sittenverderbniß gelegt. —