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2 (1846) [Aus - Cal]
Entstehung
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Baden. 55

lichsten Theilen gestrichen wurden ?). Nur gutmüthige Seelen, die eben so wenig Kennt-nis nahmen von den Recht und Wahrheit unterdrückenden Censurstrichen wie von der ge-heimen Inquisition, halten hier und dort das unsägliche Unrecht für unmöglich, fürunglaublich!

Ich wollte vielmehr durch diese Züge besser veranschaulichen, wie schwer und peinlich dieLage überzeugungstreuer Volksvertreter unter solchen Umständen war. Die unglücklichenäußern Verhältnisse des kleinen Staats entschuldigten bei den meisten Bürgern wirklichoder scheinbar alle äußersten Reactionsmittel des eigenen kleinen Staates und beherrschtenvielfach die Beschlüsse der Regierung. Zum Volk, zur Nation drang die Stimme derWahrheit nicht durch, nicht einmal die Vertheidigung der gröblich geschmähten, verleumde-ten Volksfreunde. In den Kammerverhandlungen scheiterten fast alle ihre besten Absichtenund Anstrengungen für das Wohl des Landes an der großen Mehrheit abhängiger, denministeriellen Ansichten und Wünschen huldigender Beamten. Denn solche Beamten,die ihre liberalen selbstständigen Ueberzeugungen, auch gegenüber den Ministern, alSVolksvertreter nicht aufgeben konnten, traten, so wie Rutschmann, Ziegler, umpeinliche unvereinbare Widersprüche zwischen ibrer gewissenhaften Ueberzeugung und zwi-schen ihrer amtlichen Wirksamkeit und ihrem Lebens- und Familienglück zu vermeiden,aus der Kammer aus, oder sie lehnten die Wahl und ihre Annahme, welche die Regierungbei liberalen Beamten natürlich nicht gern sah, schon zum Voraus ab. So stieg jetzt mitjedem Landtag, trotz aller Kämpfe der liberalen Opposition, die Ausgabe für das Militairvon einer Million dreimalhunderttausend allmälig auf zwei Millionen; ähnlich derAufwandfür Staatsdiener. Gute neue Gesetze, sowie 1827 das von der Commission so sehr ver-besserte neue Staatsdieneredict, wurden vom Ministerium beseitigt, ja mehrere der bestenfrüheren Gesetze, sowie die Preß- und Gemeindegesetze, wesentlichst durch Verstümmlungenoder Umänderungen verschlechtert. Kein Hoffnungsstern schien zu leuchten und der guteGeist im Volk und in der Kammer täglich mehr einzuschlafen. Ja was bas Nieder-drückendste war alle Opfer, welche an guter Stimmung wie durch Verzicht auf Fami-lienleben und Einnahmen, durch Verlust ihrer Anstellungen und durch Criminalprocesse vieleliberale Deputirten brachten, schienen nicht blos nutzlos, sondern verderblich verwendet zuwerden, wenn sie das Volk täuschten, es habe bereits dem Land und der Nation genügendeVerfassungszustände, es dürfe mit so trostlosen und gefährlichen Zuständen zufrieden seinund so wie vor der französischen Revolution aufs Neue schlafend den verderblichsten Abgrün-den sich nähern. Solche Erwägungen waren es, welche in Würtemberg und den beidenHessen, in Nassau und Sachsen die edelsten Männer bewogen, sich von der landständi-schen Wirksamkeit loszusagen oder fern zu halten und dadurch den, wie sie glaubten, stärk-sten Protest gegen die verkehrten Zustande, gegen repräsentative Verfassungen ohne ihrLebenselement, die Preßfreiheit, einzulegen. Sie suchten auch die badischen Liberalen zudem gleichen Aufgeben nutzlos aufreibender Kämpfe aufzufordern. Doch wir erwogen,daß bei der Prüfung politischer Maßregeln fast Nichts besser leitet als der Grundsatz, daSzu vermeiden, was den Gegnern Freude macht. Das aber lhat der Rücktritt der gesin-nungstüchtigen Oppositionsmänner und der Schein, das Volk wolle und brauche sie nicht,Alles sei ohne sie so dauerhaft vortrefflich, wie man dieses noch vor Kurzem zuerst in Preu-ßen, dann in Würtemberg in glücklicher Selbstzufriedenheit sich überredete. Allein vonAnfang nicht richtig von der Masse aufgefaßt, verliert jener stille Protest täglich mehr alleWirkung, ja selbst die Erinnerung an ihn. Der Lebende, der Handelnde hat recht im thätiqenfortschreitenden Leben. Vor Allem aber glaubten wir, bei aller festen Ueberzeugung, daßin dem kleinen Baden freilich für sich allein keine wahre und dauernde Freibeit und Si-cherheit zu begründen sei ohne das Erwachen des bessern Geistes und ohne die Begründungeines wahren nationalen Rechtszustandes in ganz Deutschland und zunächst in seinen bei-den größten Staaten, Preußen und Oesterreich. Aber wir vertrauten auf den guten Geist

2) Näheres im Artikel über bas göttliche Recht in dem 4tkN Bande der eon«strtut,»nellen Jahrbücher»