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2 (1846) [Aus - Cal]
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54
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54 Baden.

Abhilfe bei der höheren Stelle gemacht, jedoch vergeblich. Entrüstet nahm ich nun meinekurze Erklärung sammt dem erwähnten Schreiben der Redaction der Allgemeinen Zeitungund sendete sie ohne weitere Bemerkung in schwedische, dänische, englische, französische undschweizerische Zeitungen. Dort fanden sie natürlich sogleich Aufnahme, und ebenso natür-lich wurden meistentheils damit vielfach uns Deutsche tief beschämende Betrachtungen übersolche Zustände der einst so ruhmvollen deutschen Nation hinzugefügt. Vor meinemdeutschen und badischen Vaterlande und meinem Wahlbezirk aber blieb ichJahre lang verleumdet, ohne Möglichkeit der Gegenerklärung und Be-richtigung. Der auf dem Gränzpostamt zu Kehl angestellte besondere Censor derauswärtigen Zeitungen nahm sogar den badischen Abonnenten die fremden Blätter weg, diedie Berichtigung enthielten. Bis zu Rotteck's Motion, nach mehr als zwei Jahren,enthielt nur die Oberpostamtszeitung die einzige Notiz:man lese in englischen undschwedischen Zeitungen eine merkwürdige Einsendung des Abgeordneten Welcker mit in-teressanten Bemerkungen dieser Blätter." Ganz ähnlich ist das zweite Beispiel. Rott-r ck's Worte darüber lauten :Im März 1838 ward von ihm (nehmlich von mir) einabermaliger Versuch gemacht, neue Unrichtigkeiten, deren die Karlsruher (immerunter der Obercensur des Blittersdorf'schen Ministeriums stehende) Zeitung damals gegenihn sich schuldig gemacht, durch eine solche Erklärung von sich abzulehnen. Diese kurzeErklärung lautete also:Ich bedaure bemerken zu müssen, daß der Bericht über dieVerhandlungen in Betreff der hannöverischen Angelegenheiten theils durch Auslassungen,theils durch Unrichtigkeiten von meinem Antheil an diesen Verhandlungen ein unrichtigesBild giebt. Da aber am Ende des vorigen Landtags meine besonderen Angabender Unrichtigkeiten von derCensur der Karlsruher Zeitung gestrichen und deshalb auchvon der Censur anderer Zeitungen nicht zugelassen wurden, sondern nur in den freienBlättern des Auslandes Aufnahme fanden, so begnüge ich mich, einfach auf das ossicielleProtokoll der Kammer über den betreffenden Gegenstand zu verweisen."" Die Auf-nahme auch dieser Erklärung erlaubte der Censor nicht. Er übertrat daher oder war durchInstructionen angewiesen zu übertreten die ganz ausdrückliche Bestimmung unseresPreßgesetzes im § 10."

Rotteck setzte zur Würdigung dieser die Wahrheit, Ehre und öffentlicheSittlichkeit und Gerechtigkeit so vortrefflich schützenden, die fried-liche zufriedene Stimmung achtbarer und nicht fischblütiger Bürgerso sehr befördernden Censur noch wörtlich hinzu:

Ich frage Sie, meine Herren, was unter diesen Umständen der Rechtszustandder redlichsten, der pflichtgetreuesten Deputirten und welches die Stellung der Kammerund jedes einzelnen Volksvertreters gegenüber den Anmaßungen eines vielleicht unwissen-den oder einfältigen, vielleicht boshaften Eensors ist? Ich sage: diese Stellung ist unseresAmtes wie unserer Persönlichkeit unwürdig. Sie ist zugleich mit der Verfassung imschreiendsten Widerspruche, sie fordert uns daher zu lauter Beschwerde auf. Die Sachegeht uns Alle an, nicht nur die einzelnen Gemishandel ten."

Ich aber erwähne dieses hier nicht, um zunächst zur Würdigung des CensurinstitutcsEtwas beizutragen. Jeder, der die Censur in der wirklichen und unvermeidlichenGestalt und Wirkung des unnatürlichsten Instituts und nach den wahren, gleich-viel ob bewußten oder nicht bewußten, Gründen und Zwecken seiner Einführung kennt, derweiß es ja, daß solche Erscheinungen, wie die hier angeführten, g anz alltäglich sind.Der Verfasser dieser Zeilen erlebte in Beziehung auf sich selbst ähnliche mehr als fünszig-mal. Er erlebte Gleiches auch noch in der allerneuesten Zeit sowohl in Baden als inSachsen in Beziehung auf seine und W. Schulzen's Schrift: Geheime Inquisi-tion, Censur und Cabinetsjustiz im verderblichen Bunde, über welchefalsche Vorurtheile erweckende öffentliche Verbote und eine merkwürdige Jnjurienklage, javöllig verfälschende, verleumderische Beschuldigungen den Weg in alle Zeitungen fanden,wahrend nicht nur die Anzeigen und Beurtheilungen sachkundiger Männer, die in diesemBuche die vollständigste und anschaulichste Enthüllung der wahren Natur des Jnquisi-tionsprocesses fanden, sondern auch unsere Berichtigungen hier ganz, dort in den wesent-