Druckschrift 
2 (1846) [Aus - Cal]
Entstehung
Seite
53
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Baden. 5Z

Bundesbeschluß streng durchgesetzt wurde, daß keine deutsche Zeitung aus deutschen land-ständischen Verhandlungen Mittheilungen machen dürfe, welche nicht die Censur des be-treffenden Landes in dessen Zeitungen passirt hatten So wurde die unter der Obercensurdes Hrn- v. Bl Ittersdorf stehende Karlsruher Zeitung die alleinige trübe Quelle überunsere Verhandlungen, soweit nicht.etwa von höheren Händen kommende, meistnoch bedenklichere Berichte Eingang in fremde Zeitungen fanden. So sahen die libe-ralen Kammermitglieder lflch fast täglich vor dem größeren und kleineren Vaterland wegenihres landständischen Wirkens angegriffen, geschmäht, nicht selten verleumdet, ja oft-mals jammervoll dargestellt, indem z. B. wirkliche oder auch später hinzugedichtete derbeAeußerungen der Minister in die Zeitungen übergingen, nicht aber die ächten Worte derAbgeordneten und ihre männlichen Entgegnungen. Oessentliche Vertheidigung war dabeiden Angegriffenen nicht möglich, und noch heute liest man bei manchen Schriftstellern durchsolche Berichte belegte ganz falsche Darstellungen ihres und des ministeriellen Benehmensund Wirkens. Mögen statt vieler nur zwei Beispiele hier stehen, welche Rotteck inseiner Motion auf Wiederherstellung einigen Rechtszustandes derPresse 24. Juni 1839 (S. Protokolle der H. Kammer S- 283) erzählte. Ich selbstnehmlich hatte am Schluß des Landtages 1837 in der Verhandlung über eine Petitionvicler.Katholiken, geistlicher und weltlicher, für Synoden mit der großen Mehrheit derKammer die Wünsche meiner katholischen Mitbürger und Mitabgeordneten mit Achtungs-äußerungen gegen die badischen Katholiken unterstützt. Aber ich hatte dabei den Hrn. v. Blit-tersdorf in einen schwer zu beschreibenden Zorn versetzt, durch die Kritik des ministe-riellen Systems, welches nach den Principien des göttlichen Rechts der Fürsten eineAlliance der geistlichen und weltlichen Aristokratie und Despotie erstrebe und die eminenteMehrheit der aufgeklärten katholischen Bürger Badens, nehmlich die kirchlich Re-gie rten, die niedern Geistlichen mit inbegriffen,keineswegs gewinne, sondern verletze undabstoße, indem es die ultramontane hierarchische Macht der kirchlich Regierenden zu ver-mehren trachte, und der bekannten PhraseThron und Altar" den Sinn unterzulegenscheine:Werdet ihr dumm dort, so werdet ihr's auch hier; kuscht ihrdort, so kuscht ihr auchhier", dabei aber vergesse, daß(was kurz nachher in Cöln so deutlich zuTage trat) die hier-archische Macht, sobald sie nur in jener Alliance für die Herrschaft einigermaßen erstarkt sei,dasThron und Altar" inAltar und Thron" verwandle. In der Kammer hatte ichüberhaupt und insbesondere von Katholiken nur Beifallsäußerungen erhalten. Nur demHrn. v. Blittersdorfmissielmeine Rede. Am andern Morgen enthielt der unter sei-ner Obercensur erscheinende Karlsruher Kammerbericht die drei völligen Unwahrheiten:1) ich hätte die katholische Religion gröblich geschmäht; 2) es sei darüber in der Kammerder Antrag eines mich misbilligenden Beschlusses, zur Tagesordnung überzugehen, gestelltworden; 3) die Kammer habe dieses beschlossen. Wie nachtheilig mußte nun ein solcherBericht gegen mich stimmen? Wie mußte er namentlich stimmen die größtentheilskatbolischen Bürger meines Wahlbezirks, welche mich vertrauensvoll als Protestanten ge-wählt hatten, mich, der sie nun als ihr Wortführer auf eine des Deputaten und verständi-gen Mannes unwürdige Weise öffentlich füllte geschmäht haben! Diese Bürger aberhatten, da ich gerade nach dem Loos austreten mußte in kurzer Zeit für ihre Abgeord-netenstelle neu zu wählen, und sie wählten mich damals auch wirklich nicht. Die ver-leumderische Beschuldigung war sogleich in die Oberpostamts- und AllgemeineZeitung und in die meisten andern deutschen Zeitungen übergegangen. Der deutschenund badischen Censur wohl kundig, beschränkte ich, um ihr selbst den leisesten Vorwand fürdie Nichtaufnahme zu entstellen, meine Berichtigung auf wenige Zeilen, in welchen ich ein-fach nur jene drei Punkte mit Berufung auf die ofsiciellen Kammerprotokollefürnicht richtig erklärte. Ich schickte diese Zeilen an die Karlsruher, andieOber»Postamts- und an dieAllgemeine Zeitung. Alle dreiRedactionen übersendetenmir imDruck die von ihnen aufgenommenen, aber von der C e n su r durchstochenen Zeilen.Die Redackion der Allgemeinen Zeitung bemerkte mir noch, es passire ihr jetzt öfter,daß sie selbst Berichtigungen falscher Berichte über ossicielle Verhandlun-gen nicht ausnehmen dürfe. Diesmal habe sie aber doch noch einen Versuch um