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Theater und dramatische Poesie.
rend der Weltgeist in der Wirklichkeit oft gewaltig trage auftcitt, ja bisweilen fast mit einerArt Behaglichkeit den Sieg der Freiheit zu vertagen scheint. Wenn Regierungen daherdas Gut der politischen Freiheit zu verkürzen und den Aufschwung des nationalen Lebenswirklich niederzuhalten gesonnen sind, so ist es auch nur eine Consequenz, wenn sie das-jenige Drama, aus dem die Kraft des historischen Geistes und der Sieg der Freiheit unsentgegenweht, von der Bühne fern halten, eine Consequenz, welche mit der Fesselung derPresse völlig gleicher Abstammung ist. Je sichtbarer die Wirkungen einer Macht sind,um so mehr gebietet die Furcht vor ihr, sie ihres Lebensnervs zu berauben. Es ist daherein und derselbe Sinn, ein und dasselbe Princip, welches die Presse zu knechten und siezu einem Monopole einer Anzahl Privilegirter einzuschranken trachtet und welches dasTheater zu einem bloßen Tummelplätze erschlaffender Lust, zur Befriedigung augenblick-lichen Sinnenbedürsnisses herabsetzt.
Der Zusammenhang der Bühne mit dem wirklichen Leben und dem öffentlichen Geistist unverkennbar, und die Einsicht darin ist zu keiner Zeit gänzlich verdunkelt gewesen.Hatte man doch als das unerreichte Muster die griechische Bühne vor Augen, in welcherdas geistreichste Volk der alten Welt in der Zeit seiner entwickeltsten Intelligenz und seinernationalen Größe ein Fest seines geistigsten Lebens feierte. Darum nahmen sich, nachdem Erwachen unserer Literatur, nach den Tagen ihrer Wiedergeburt jene Männer, welcheselbst den neuen Tag derselben herbeigeführt hatten, mit dem reinsten Feuer der Bühnean, Lessing, Schiller und Goethe. Sie weihten ihre Kräfte einem Institute,welches sie zu einem Tempel der Nation zu gestalten trachteten, um in ihm die edelstenund größten Schätze derselben zu entfalten.
Das Bewußtsein einzelner Männer reicht aber dazu nicht aus; es darf die Re-generation des Theaters nicht Privatsache, sondern sie mußNakio-nalsachesein. Aller Fortschritt unserer Entwickelung beruht überhaupt darauf, daßalle und jede Bestrebung in den Strom des Nationalbewußtseins münde, daß sie sich alsein Moment erfasse, das Reich der geistigen Freiheit zu einem Reiche gegenwärtiger Wahr-heit und Wirklichkeit zu machen. So lange irgend ein Zweig großartiger Thätigkeitder Wissenschaft oder der Kunst noch nicht in seiner das ganze Leben der Nation be-fruchtenden und forttreibenden Kraft erfaßt wird, so lange steht er auch dem Leben selbstnoch äußerlich gegenüber und hat seine letzte Bedeutung noch nicht gewonnen. Soll dieForderung nicht ein leerer Schall sein, daß die Idee verwirklicht werde, daß sie in Fleischund Blut der Gegenwart übergehen müsse, so ist damit auch gesagt, daß sich dieselbe zueinem alle Tätigkeiten des Geistes verarbeitenden Organismus gestalten solle. DieserOrganismus ist aber der freie Staat, in welchem alle Seiten der materiellen wieder idealen Thätigkeit sich unablässig zu Momenten zusammenfassen, um die Freiheit,d. h. die ungehemmte Bewegung aller geistigen Kräfte, darzustellen. Man wähne ja nicht,daß wir Kunst und Wissenschaft etwa ihres erhabenen Charakters, Selbstzweck zu sein,d. h. an und für sich den Geist zu befriedigen und zu interessiren, berauben und sie zu Die-nern des irdischen Reiches materieller Interessen herabsetzen wollen. So lange der Staatdiesen Charakter noch hat, so lange er sich nur bis zur Entfaltung aller auf die industrielleThätigkeit abzielenden Kräfte, zur Sicherung der Person und des Eigenthums erhebt undden Werth der idealen Interessen nur nach der Wichtigkeit mißt, welche sie für die Befrie-digung nationalökonomischer Interessen haben: so lange hat sie der Staat noch nicht sei-nem absoluten Wesen nach erfaßt, denn er ist, trotz der Bewegung ungeheuerer Kräfte,trotz des gesicherten Rechtszustandes der Person und des Eigenthums, immer noch ein ir-disches Reich, welches die höchsten Güter des freien Geistes noch nicht in sich hineinzu-ziehen und als Momente seines eigenen Lebens darzustellen vermocht hat. Wir forderndagegen, daß der Staat seine höchste Ehre darein setze, die an unsere ideale Natur alleinsich wendenden Elemente aus seinem Schooße zu erzeugen, daß er sie als seine höchstenGüter pflege und in den Organismus seiner Lebendigkeit aufnehme, weil sie zur vollenVerwirklichung der Freiheit des Geistes unentbehrlich sind. Nm so kann das Wort, daßder Staat die Idee der Freiheit ist, eine Wahrheit werden.
Nun hat der moderne Staat allerdings einen großen Kreis der Kunst und Wissen-Staat«-Leriko». XU. 36