allzu grausam zusetze. Trotzdem war Jaakobs Jammer-miene mit dem offenstehenden Munde, dem im Barte hängen-den Unterkiefer und den immer wieder aus unfaßbarenLeidenstiefen nach oben rollenden Augen rot gedunsen vorHitze und Heimsuchung, und er selber stellte es fest, nach derArt weich-bewußter Menschen, denen es um ihre Zuständezu tun ist und die meinen würden, diese kämen zu kurz, wennsie sie nicht in Worte faßten.
„Hochrot und geschwollen", sagte er mit zitternder Stimme,„ist mein Antlitz vom Weinen. Tiefgebeugt setze ich michweinend hin, über mein Angesicht gehen nieder meineTränen."
Das waren nicht seine eigensten Worte, man hörte esgleich. Schon Noah sollte, alten Liedern zufolge, so oderähnlich angesichts der Flut gesprochen haben, und Jaakobmachte es sich zu eigen. Denn es ist ja gut und tröstlich-bequem, daß aus Frühzeiten der leidverfolgten MenschheitWortgefüge der Klage aufbewahrt sind und bereit liegen,die auch aufs Später-Gegenwärtige passen wie dafür ge-prägt und dem schmerzhaften Leben Genüge tun, soweitWorte ihm nur Genüge zu tun vermögen, so daß mansich ihrer bedienen und das eigene Leid mit dem uralten,immer vorhandenen vereinigen mag. In der Tat konnteJaakob seinem Elend nicht mehr Ehre erweisen, als indemer es mit der Großen Flut gleichsetzte und Worte darauf an-wandte, die auf diese gemünzt worden waren.
Überhaupt sprach und klagte er viel Gemünztes oder Halb-gemünztes in seiner Verzweiflung. Besonders der immer wie-der ausgestoßene Jamnierruf: „Ein reißend Tier hat Josephgefressen! Zerrissen, zerrissen ist Joseph!" trug leichtgemünzten