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2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
230
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wirklich geglaubt, nach der er aber jedenfalls gelebt und dieihn, das erkannte er klar und deutlich, in die Grube gebrachthatte. In den verzerrten und schwitzenden Masken derBrüder hatte er es mit feinem einen Auge deutlich gelesen,daß dies eine über Menschenkraft gehende Voraussetzunggewesen war, mit der er ihre Seelen durch lange Zeit über-anstrengt und ihnen großes Leid zugefügt hatte, bis es nunendlich zu diesem für ihn und zweifellos auch für sie so fürchter-lichen Ende gediehen war.

Arme Brüder! Was mußten sie ausgestanden haben, bisdaß sie sich verzweislungsvoll an des Vaters Lamm vergriffenund es tatsächlich in die Grube geworfen hatten! In welcheLage hatten sie sich damit gebracht, von seiner eigenenzu schweigen, di« freilich hoffnungslos war, wie er sich schau-dernd eingestand. Denn daß er, dem Vater zurückgegeben,reinen Mund halten und nicht alles ansagen werde, daswürde er ihnen niemals glaubhaft machen können, weil esnicht glaubhaft war, ihm selber auch nicht, und also muß-ten sie ihn in der Grube lassen, daß er darin verdürbe, esblieb ihnen gar nichts anderes übrig. Das sah er ein, unddesto verwunderlicher mag es scheinen, daß das Grauen vordem eigenen Schicksal in seiner Seele Raum ließ für Mit-leid mit seinen Mördern. Dennoch ist dies der erwieseneSachverhalt. Joseph wußte genau und gestand es sich, wieer da auf dem Brunnengrunde saß, offen und ehrlich ein,daß jene unverschämteVoraussetzung", nach der er gelebt,ein Spiel gewesen war, an das er selber nicht ernstlichgeglaubt hatte, noch hatte glauben können, und daß er, umnur hiervon zu reden, den Brüdern die Träume nie und nimmerhätte erzählen dürfen, es war ganz unmöglich und über