Druckschrift 
2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
195
Einzelbild herunterladen
 

— 195 —

Wie und Wohin seiner Führung eine Andeutung, die denJoseph unliebsam berührte und ihm etwas das Herz be-klemmte.

Nicht lange aber, so geschah etwas viel Schlimmeres alsder Diebstahl. Die Sonne war aufgegangen hinter Feld undWald, und Dotans grüner Hügel war schon in Sicht: schrägrechts lag er vor ihnen im Morgenstrahl, die Ortschaft aufseiner Kuppe. Joseph, der gerade zu Esel saß, während derDieb den Zügel hielt, schaute dorthin: Da gab es einen Ruckund Sturz, und es war geschehen. Hulda war in ein Erdlochgetreten mit einem Vordersuß, war eingeknickt und konntesich nicht mehr erheben. Sie hatte die Fessel gebrochen.

„Gebrochen!" sagte der Führer nach kurzer gemeinsamerUntersuchung. „Jetzt sieh dir die Bescherung an! Sagte ich'snicht, daß sie zu dünne Fesseln hat?"

„Daß du scheinbar recht behalten, sollte dich nicht freuenangesichts dieses Unsterns, und gar nicht in Betracht kommensollte es in diesem Augenblick. Du hast sie geführt und nichtachtgegeben, so daß sie unglücklich ins Loch trat."

„Ich habe nicht achtgegeben, und mich klagst du an? Dasist rechte Mcnschenart, durchaus einen Schuldigen haben zumüssen, wenn etwas schief gegangen ist, wie man's Vorher-sagen konnte!"

„Es ist auch rechte Menschenart, durchaus das Unglückvorausgesagt haben zu wollen und einen unnützen Triumphdarin zu suchen. Sei froh, daß ich dich nur der Unachtsamkeitanklage; ich hätte anderes gegen dich vorzubringen. Duhättest mir auch nicht raten sollen, die Nacht durch zu reisen;so hätten wir Hulda nicht übermüdet, und nie wäre die Klugegestrauchelt."

- 3 "