Druckschrift 
2 (1934) Der junge Joseph
Entstehung
Seite
126
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Der stämmige Gaddiel, ein Jahr älter als Ascher, zeigte eineMiene voll rauher Ehrlichkeit. Er trug eine kegelförmigeMühe und war wehrhaft anzusehen in seinem kurzen, mitschuppigem Wehrgehenk gegürteten Rock, auf den er Brust-schilder genäht hatte und aus dessen kurzen Ärmeln seine rotenund nervigen Arme mit ebenfalls nervigen und gedrungenenHänden hervorkamen. Er sagte:

Ich rate dir, Ascher, gib acht auf deine Lampe, daß nichtzufällig daraus ein Tropfen siedend Dl auf ihn falle und derSchmerz ihn erwecke! Denn wenn er aufwacht, so ohrfeige ichihn in meiner Geradheit, das ist ausgemacht. Einen Schlafen-den ohrfeigt man nicht, ich weiß nicht, wo es geschriebensteht, aber es läßt sich nicht tun. Wacht er dagegen auf, so hater den Augenblick meine Hand in der Fresse, daß ihm derBacken schwillt, als hätte er einen Mehlkloß im Maul, aufneun Tage von morgen gerechnet, so wahr ich Gad heiße.Denn mir ist wütend und übel zu Sinn bei seinem Anblick undbei des Kleides Anblick, darunter er schläft und um das erfrech den Vater betrogen. Ich bin kein Feigling, aber ich weißnicht, was mir in der Herzgrube rumort und was mich mahntaus meinen Eingeweiden. Hier stehen wir Brüder, und dortliegt der Bube, der Geck, der Zierbengel, der Gelbschnabel, derGrünling, der Augenverdreher und hat das Kleid. Sollen wiruns etwa beugen vor ihm? Ich werde das Wort nicht los, dagda .beugen' lautet, als flüsterte irgendein verfluchtes Gezüchtes mir hartnäckig ins Ohr. Daher das Jücken in meiner Hand,daß ich ihn ohrfeigte, das wäre das Rechte, und der Greuelunter meinem Magen käme zur Ruhe!"

Der gerade Gad sprach viel Tieferes aus, als Ascherbei allfeinem Bedürfnis nach Gesinnungsoerdichtung und Bündelung