„Zahllose Lampen, überall", sagte Joseph, „so viele sie nurbesitzen, um die Häuser herum unter dem Himmel sowie amWege hierher und am Orte, da ringsumher im Gebüsch,überall brennen Lampen. Sie kommen zum Grabe undklagen noch einmal, und das ist sogar der allerbittersteJammer, nie zuvor haben die Flöten so schneidend gegelltzu der Klage: ,O Duzi, wie lange liegst du da!', und langenoch haben die Weiber zerkratzte Brüste von dieser Trauer.Um Mitternacht aber wird alles still."
Benjamin griff nach des Bruders Arm.
„Urplötzlich wird's still?" sagte er. „Und alles schweigt?"
„Regungslos stehen sie und verstummen. Die Stilledauert. Da aber wird von fern eine Stimme laut, einzeln,hell und freudevoll:,Tammuz lebt! Der Herr ist auferstanden!Umgestürzt hat Er die Wohnung des Todesschattens! Großist der Herr!'"
„Oh, welche Nachricht, Joseph! Ich wußte, daß siekommen würde zu ihrer Feststunde, aber sie fährt mir doch indie Glieder, als hätt' ich sie nie gehört. Wer ist es, der ruft?"
„Es ist ein Mägdlein zarten Antlitzes, besonders dazuerwählt und ernannt jedes neue Jahr. Ihre Eltern preisensich hoch deswegen und stehen in Ehren. Die Verkünderinkommt daher, eine Laute im Arm, sie klingt und singt:
,Tammuz lebt, Adon ist auferstanden!
Groß ist Er, groß, der Herr ist groß!
Sein Auge, das der Tod verschloß. Er hat es aufgetan.
Sein Mund, den der Tod verschloß. Er hat ihn aufgetan.
Seine Füße, die gefesselt waren, gehn wieder dahin.
Grünkraut und Blumen sprießen unter ihrem Tritt.
Groß ist der Herr, Adonai ist groß!'