Druckschrift 
Frau Käthchen's Klienten : Lustspiel in einem Aufzuge
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

Manuscript aus der Tasche ziehend) Und hier, mein erstesLustspiel ist mir heute bereits vom dritten Theaterdirectorzurückgeschickt worden.

Käthchen. Was, das ist Ihnen zurückgeschickt worden?

Willibald. Leider. Aber lassen wir das. Draußenscheint die Sonne so warm und erquicklich, und dabei soganz umsonst, daß es für unausgeführte Lustspieldichterund klientenlose Advocaten eine Verschwendung wäre, beisolchem Wetter zu Hause zu bleiben. Kommen Sie, FrauKäthchen, komm, Robert, wir wollen spazieren gehen.

Käthchen. Spazierengehen? Und mein Suppentopf;gehen Sie lieber mit Robert allein.

Robert. Wenn aber nun doch einmal ein Klient käme.

Käthchen. Ich halte ihn fest, bis Du wieder kommst.Herr Willibald, wenn Sie mit einem Löffel Suppe vorliebnehmen wollen

Willibald. Wenn ich Sie dafür zu einer Fasanen-pastete einladen darf; d. h. an dem Tage, wo meineersten Theatertantiömen einlaufen.

Käthchen. Gut, wir halten Sie beim Wort.

Willibald. Adieu, Frau Käthchen.

Robert. Adieu, lieb' Kind.

(Robert und Willibald ab.)

Dritter Austritt.

Käthchen allein.

Käthchen. So jetzt bin ich allein jetzt könnteich weinen, wenn ich wollte, denn ich sehe die Noth schonvor der Thüre stehen. Aber wenn ich's jetzt thäte, dasie noch draußen steht, was bliebe mir übrig, wenn sieeinmal wirklich unsere Schwelle überschritte. Nein ichwill nicht. Wenn ich nicht selber den Kopf hoch trüge,wie könnte ich meinen Robert bei gutem Muth erhalten?Er sieht so schwarz in die Zukunft, darum muß ich ihmmeine Augen leihen, die, wenn sie wollen, Alles rosigsehen können und sie sollen wollen. Wo bist Du dennFrau Noth, mit Deinem grimmigen Gesicht? (Sie sieht