Druckschrift 
Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen
 

Nach Mittag verließ er Jen Strand, Behrte ins Hotel zurücBund fießßcß Hinauf vor fein Zimmer fahren. Er verwedte dortdrinnen fängere Zeit vor dem Spiegef und Betrachtete fein grauesHaar, fein müdes und fcharfes Geficht. ln diefem Augenhfichdachte er an feinen Ruhm und daran, daß Viele ihn auf denStraßen Bannten und ehrerbietig Betrachteten, um feines ßchertreffenden und mit Anmut gefrönten Wortes wißen, ~ rief adeäußeren Erfofge feines Talentes auf, die ihm irgend einfachenwollten und gedachte fogar feiner Nohifitierung. Er hegah flehdann zum Lunch hinah in den Saaf undfpeiße an feinem Tifchchen. Ads er nach Beendeter Mahlzeit den Lifi heßieg, drängtejunges VolB, das gleichfads vom ErühfiücB Bam, ihm nach indas fchwehende Kämmerchen, und auch Tadzio trat ein. Erßand ganz nahe hei Afchenhach, zum erßen Male fo nah, daßdiefer ihn nicht in hildmäßigem Ahftand, fondern genau, mitden Einzelheiten feiner MenJchlichBeit wahr nahm und er Bannte.Der Knahe ward angeredet von irgend jemandem, und wäh=rend er mit unhefchreihlich lieblichem Lächeln antwortete, trat erfchon wieder aus, im erßen StocBwerB, rücBwärts, mit niederge-fchlagenen Augen. Schönheit macht Jchamhafi, dachte Afchenhachund Bedachte fehr eindringlich, warum. Er hatte jedoch hemerBt,daß ladzios Zähne nicht recht erfreulich waren: etwas zacBigund Blaß, ohne den Schmelz der Gefundheit und von eigentüm*fich fpröder Dut chflchtigBeit wie zuweilen hei Bfeichflthtigen. Er fehr zart, er BränBfich, dachte Afchenhach. Er wird wahr*fcheinfich nicht alt werden. Und er verzichtete darauf,fleh Rechen*Jchafi über ein Gefühl der Genugtuung oder Beruhigung zugehen, das diefen GedanBen Begleitete.

Er verbrachte zwei Stunden auf feinem Zimmer undfuhr amNachmittag mit dem Vaporetto über die faulriechende Lagune

43