Tag.» Ich schlief schon wieder. Ich glaube, es war nochin dieser Nacht, oder morgens früh, daß ich Orangen-saft durch die Glasröhre bekam. Nie im Leben hat miretwas so köstlich geschmeckt. Es war ein wirkliches Ent-zücken. Offenbar wurden Durst und Hunger durch dieseDarreichung gleichermaßen befriedigt, und es ist unglaub-lich, wie das unbewußte Bedürfnis des Körpers die Emp-fänglichkeit der Geschmacksnerven bis zur Wonne ver-stärkt. Mit ähnlicher Genußfähigkeit sollen diese aufirgend welche Süßigkeit, ein gewöhnliches Praline, nachder Anwendung von Insulin reagieren. — Ich hatte nunPrivatpflegerinnen, ihrer drei, die in einem Tag- undNacht-Turnus von je acht Stunden einander ablösten.Ihre Hauptobliegenheit war, außer den dreistündigen,Infektion verhindernden Penicillin-Gaben, der Beistandbei dem sehr mühsamen Umwenden im Bett, das immerwieder gefordert ist; denn Bewegung, Wechsel der Lage,bald so, bald so, ohne Bevorzugung der unverwundetenSeite, das gehört heutzutag zur Behandlungstechnik, undschon am zweiten Tag nötigte der junge Carlson mich,allerdings unter seiner zum Auffangen bereiten Hut, einpaar Minuten neben meinem Lager frei auf den Füßen zustehen. Das ging ganz gut, und nur mit der Rückkehrüber den Schemel in das ziemlich hohe Bett hatte es seineSchwierigkeiten.
Die Schwester der Nachtstunden, von n bis 7, hießJune Colman, eine denkwürdig angenehme Person. Esist fast unvermeidlich, daß die Gefühle des Patienten, seier auch alt, vernäht und schwer umdrehbar, für den Engelseiner Nächte, ist dieser nur leidlich lieblich — und Junewar entschieden hübsch — eine gewisse zarte Erwärmung
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