Druckschrift 
Die Entstehung des Doktor Faustus : Roman eines Romans
Entstehung
Seite
154
Einzelbild herunterladen
 

klinischen Erfolg.Tagelang nachher soll in medizinischenKreisen New Yorks und Chicagos von der «most elegantOperation» die Rede gewesen sein.

Meine Frau, Erika und Medi verbrachten die Stundenvertrauensvoller Spannung in Dr. Blochs «office».Von Zeitzu Zeit kam er, ihnen Bericht zu erstatten. «Es geht gut,es geht sehr gut», sagte er, und seine Hand war kalt. Dannhatte meine Frau mich im Zimmer erwartet, wo ich, längstwieder in meinem Bett, vorübergehend erwachte. Nochstark benommen sprach ich gegen alle Gewohnheit eng-lisch zu ihr, und sonderbar! ich führte Klage. «It wasmuch worse than Ithought», sagte ich. «I suffered toomuch!» Noch heute denke ich nach über den Sinn diesesUnsinns. Wovon redete ich ? Ich hatte von allem ja nichtsgespürt. Gibt es irgendwelche Tiefen des Vitalen, in de-nen man, bei völlig ausgeschaltetem Sensorium, dennochleidet? Ist Leiden vom Erleiden im Untersten nicht voll-kommen zu trennen ? Dies könnte sich sogar auf den «to-ten» Organismus beziehen, von dem niemand weiß, wietot er vor seiner wirklichen Auflösung ist; es könnte,wenn auch als mißtrauische Frage nur, ein Argumentgegen die Feuerbestattung bilden. Um englisch zu spre-chen : «It may hurt». —

Die Nachwirkungen der Narkose waren geringfügig,sie störten mich kaum im Weiter- und Weiterschlafen.Etwas warmes Wasser, auch kaltes zur Abwechslung, be-kam ich durch eine Glasröhre zu trinken. Der Flüssig-keitsverlust bei solchem Eingriff ist bedeutend. Um sie-ben Uhr fragte ich den kontrollierenden Arzt nach derZeit. Er nannte sie mir. «Sie sind früh auf», wunderte ichmich. «Nicht ganz so», erwiderte er. «Es ist noch derselbe