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Die Entstehung des Doktor Faustus : Roman eines Romans
Entstehung
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TAGEBUCH-NOTIZEN von 1945 zeigen mir, daß am22. Dezember dieses Jahres der Korrespondent von «TimeMagazine»in Los Angeles mich besuchte(es isteine StundeWagenfahrt vonDown-town bis zu unserem Landhause),um mich zur Rede zu stellen wegen einer Prophezeiung,die ich vor anderthalb Jahrzehnten getan, und die in Er-füllung zu gehen säumte. Am Schluß eines damals ver-faßten, auch ins Englische übersetzten Lebensabrisseshatte ich im halb spielerischen Glauben an gewisse Sym-metrien und Zahlenentsprechungen in meinem Leben* die ziemlich bestimmte Vermutung geäußert, daß ich im

Jahre 1945, siebzigjährig, im selben Alter also wie meineMutter, das Zeithehe segnen würde. Das ins Auge gefaßteJahr, sagte der Mann, sei so gut wie abgelaufen, ohne daßich Wort gehalten hätte. Wie ich es vor der Öffentlichkeitrechtfertigen wolle, daß ich immer noch am Leben sei.

Was ich erwiderte, wollte meiner Frau nicht gefallen,umso weniger, als ihr sorgsames Herz seit längerem schonum meine Gesundheit bangte. Sie suchte, mich zu unter-brechen, zu protestieren, Erklärungen nicht gelten zu las-sen, die ich mir von einem Interviewer entlocken ließ,während ich sie bis jetzt damit verschont hatte. Mit demIn-Erfüllung-gehen von Prophezeiungen, sagte ich, sei esein eigenes Ding; sie bewahrheiteten sich oft nicht wort-wörtlich, sondern auf eine andeutende Weise, die etwasvon ungenauer und bestreitbarer, doch aber unverkenn-barer Erfüllung habe. Es gebe da Substitute. Gewiß, meine

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