Bibliothek für sich, auf ihren Fächern. Tisch und Schub-fächer waren leer. Und nur einen Tag später, dem x 5 .März,um genau zu sein, taucht in meinen abendlichen Tages-rapporten das Siegel «Dr. Faust», fast ohne Zusammen-hang, zum erstenmal auf. «Durchsicht alter Papiere nachMaterial für ‘Dr. Faust’.» Welcher Papiere ? Ich wüßte eskaum zu sagen. Aber der Vermerk, der sich am nächstenTag wiederholt, ist verbunden mit der Erwähnung vonBriefen an Professor Arlt von der University of Cali-fornia in Los Angeles und an MacLeish in Washingtonwegen leihweiser Überlassung des Volksbuches von Faustund — der Briefe Hugo Wolfs. Die Kombination weistauf eine gewisse, seit langem bestehende Umrissenheit derauch wieder sehr nebelhaften Idee, die ich verfolgte:Augenscheinlich handelte es sich um die diabolische undverderbliche Enthemmung eines — noch jeder Be-stimmung entbehrenden, aber offenbar schwierigen —Künstlertums durch Intoxikation. «Vormittags in altenNotizbüchern», heißt es unterm 27ten. «Machte den Drei-Zeilen-Plandes Dr.Faustvom Jahre 1901 ausfindig. Berüh-rung mit der Tonio Kröger-Zeit,den Münchener Tagen,den nie verwirklichten Romanplänen ‘Die Geliebten’und ‘Maja’. ‘Kommt alte Lieb’ und Freundschaft mitherauf’. Scham und Rührung beimWiedersehen mit diesenJugendschmerzen...»
Zweiundvierzig Jahre waren vergangen, seit ich miretwas vom Teufelspakteines Künstlers als mögliches Ar-beitsvorhaben notiert, und mit dem Wiederaufsuchen,Wiederauffinden geht eine Gemütsbewegung, um nichtzu sagen: Aufgewühltheit einher, die mir sehr deutlichmacht, wie um den dürftigen und vagen thematischen
21