geblich Herr zu werden suchen, ist eine stete Enttäuschung, diewir nur durch den „Willen zum Glück" überwinden. ... Trotzdieses Grundthemas, das durch das ganze Bändchen zieht, istnicht der Weltflucht das Wort geredet, sondern der Aufforderung,willensstark mit einzustimmen in den brausenden Akkord destätigen Lebens und, soweit es in unserer Macht liegt, der Schmiedunseres Glückes zu sein. Wie aus dem Ton des Grundthemasvom Lebensunwerte die Obertöne des Willens zum Leben alsAntwort herausklingen, das muß man im Genuß der Lektüreselbst empfinden. Hier es entwickeln, hieße den feinsten Duftder Stücke verwischen.
(Neue Badische Landeszeitung, Mannheim)
Tristan
Novellen. Achte Auflage. Geh. M. z,§o, geb. M. 4,50
Schon die Novellen und Skizzen, die das Erstlingsbändchen„Der kleine Herr Friedemann" vereinigte, enthalten den ganzenMann. Straffe, sichere Pinselführung, manchmal breit aufgesetzt,eine dunkelglühende Farbe, vornehm-gelassene, ein wenig bitter-schmerzliche Berichterstattung, immer der Hauch eines fast zärt-lichen Humors über der Gestaltung. Seltsame Schicksale sind demscharfäugigen, hellseherischen Psychologen willkommen. Er formtgern mit feinfühligen Fingern sonderbar-wehmütige Grotesken.
Thomas Mann ist eminent musikalisch. Alan kann das nichtbloß aus gelegentlichen delikaten Äußerungen über Werke derTonkunst, an den bis zur zitternden Sensibilität gesteigertenMusikergestalten, die er geschaffen, man kann das noch über-zeugender aus der durchaus rhythmischen Art seiner gleichsamschwingenden Prosa erkennen. Sein Stil, ein gemeißelter bewußterworbener Stil, ist der Stil eines allmächtigen, durchaus takt-festen — Dirigenten. Er hat Gestalt, Selbstgewicht. Bei allerResewe ist dieser Stil artistisch im Sinne der wirkungssicherenNuancierung. Eine besondere Eigentümlichkeit sind die Leitmotive,wiederkehrende, der Erinnerung behilfliche, zur Verdeutlichung