Entgelt die Abschaffung der Fleischsteuer, die sie volks-feindlich und vorsüntflutlich nannten. Hinzu kam, daßdie Kommission mit Unnachgiebigkeit auf der längst ver-sprochenen und immer hinausgeschobenen Aufbesserungder Beamtenbesoldungen bestand, — wobei nicht zuleugnen war, daß die Gehälter der Verwaltungsbeamten,Geistlichen und Lehrer des Großherzogtums in der Tatzum Erbarmen aufforderten. Allein Dc. Krippenreutherkonnte nicht Gold machen — „ich habe nicht Goldmachen gelernt", sagte er wörtlich — und so wenig ersich in der Lage sah, auf die Fleischsteuer zu verzichten,so wenig wußte er Rat gegen den Notstand der Beamten.Ihm blieb nichts übrig, als auf seine dreizehneinhalb vomHundert zu trotzen, obwohl er am besten wußte, daßman durch ihre Bewilligung nicht wesentlich würde ge-fördert sein. Denn die Lage war ernst, und schwermütigeGeister gaben ihr trübere Bezeichnungen.
Über die Ernteergebnisse der letzten Jahre enthielt die„Zeitschrift des großherzoglichen Statistischen Bureaus"erschreckende Angaben. Die Landwirtschaft hatte eineReihe von Mißjahren zu verzeichnen; Wetterunbilden,Hagel, Dürre und übermäßiger Regen hatten die Bauerngetroffen; ein außerordentlich schneearmer und kalterWinter hatte die Saaten erfrieren gemacht; und dieKrittler behaupteten, wenn auch ziemlich unbewiesener-weise, daß die Fällungen bereits das Klima beeinträchtigthätten. Jedenfalls war laut zahlenmäßiger Nachweisungder Gesamtertrag an Körnern im beunruhigendsten Gradeznrückgegangen. Die Beschaffenheit des Strohs, dasübrigens in ungenügenden Mengen vorhanden war, ließ
?77