Druckschrift 
Königliche Hoheit : Roman
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

gefaßten Scheibchen hinab über Fluß und Städtchen; siefaßen auf den Steinbänken, die um die Wände liefen,oder auf Sesseln vor den Kaminen, deren gotische Dächervon lächerlich kleinen, gebückt schwebenden und fratzen-haften Kerlchen aus Stein getragen wurden. Der heitereTag machte den Tressenbesatz der Uniformen, die Ordens-sterne auf den wattierten Brustwölbungen, die breitenGoldstreifen an den Beinkleidern der Würdenträger er-glitzern.

Man unterhielt sich schlecht. Beständig hoben sichDreimaster und weißbekleidete Hände vor Münder, diesich krampfhaft öffneten. Fast alle Herren hatten Tränenin den Augen. Mehrere hatten nicht Zeit gefunden zufrühstücken. Einige suchten Zerstreuung, indem sie dasOperationsbesteck und das kugelförmige, in Leder gehüllteChloroformgefäß, das Generalarzt Eschrich hier für alleFälle niedergelegt hatte, einem furchtsamen Studiumunterzogen. Nachdem Oberhofmarfchall von Bühl zuBühl, ein starker Mann mit schwänzelnden Bewegungen,einem braunen Tupee, goldenem Zwicker und langen,gelben Fingernägeln, in feiner abgerissen plappernden Artmehrere Geschichten erzählt hatte, machte er in einemLehnstuhl von seiner Gabe Gebrauch, mit offenen Augenzu schlafen, reglosen Blicks und in bester Haltungdas Bewußtsein von Zeit und Raum zu verlieren, ohnedie Würde des Ortes im mindesten zu verletzen.

vr. von Schröder, Minister der Finanzen und derLandwirtschaft, hatte an diesem Tage ein Gespräch mitdem Staatsminister Or. Baron Knobelsdorff, Ministerdes Inneren, des Äußeren und des großherzoglichen

r

-7