Souveräne gesehen, die ihren Spott daran geübt hatten,und dennoch hatten sie sich ihr achselzuckend gefügt. Nunwar es längst zu spät geworden, noch davon abzugehen.Vernünftig und zeitgemäß oder nicht — warum dennohne Not mit einer ehrwürdigen Gepflogenheit brechen,die sich gewissermaßen bewährt hatte? Im Volke standfest, daß etwas daran sei. Zweimal im Wandel vonfünfzehn Generationen hatten Kinder regierender Herreninfolge irgendwelcher Zufälligkeiten auf anderen Schlösserndas Licht erblickt: mit beiden hatte es ein unnatürlichesund nichtswürdiges Ende genommen. Aber von Heinrichdem Bußfertigen und Johann dem Gewalttätigen nebstihren lieblichen und stolzen Schwestern bis auf Albrecht,den Vater des Großherzogs, und diesen selbst, JohannAlbrecht III., waren alle Souveräne des Landes und ihreGeschwister hier zur Welt gebracht worden; und vor sechsJahren war Dorothea mit ihrem ersten Sohne, demErbgroßherzog, hier niedergekommen . . .
Übrigens war das Stammschloß ein Zufluchtsort, sowürdig als friedevoll. Als Sommersitz mochte man ihm,der Kühle seiner Gemächer, des schattigen Reizes seinerUmgebung wegen, sogar vor dem steif-lieblichen Holler-brunn den Vorzug geben. Der Aufstieg vom Städtchen,jene ein wenig grausam gepflasterte Gasse zwischen ärm-lichen Heimstätten und einer geborstenen Mauerbrüstung,durch massige Torwege bis zu der uralten Schenke undFremdenherberge am Eingang zum Burghof, in dessenMitte das Steinbild Klaus Grimmbarts, des Erbauers,stand, war pittoresk, ohne bequem zu sein. Aber ein an-sehnlicher Parkbesitz bedeckte den Rücken des Schloß-