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daß Engelbert nicht das Opfer eines Totschlages, sondern eines mitallen Mitteln zu sühnenden Mordes sei ^.Darüber hinaus suchte Cae-sarius offenbar mit seiner Schrift nachzuweisen, daß Engelbert nichtnur als Märtyrer für die Ehre der Kirche gefallen sei, sondern auchdaß er es verdiene, als Heiliger verehrt zu werden, womöglich als deut-scher Nationalheiliger gleich dem englischen Thomas Becket. Bei Cae-sarius' bekannter, etwas einseitiger Begabung für das Zusammentragenund Ausmalen merkwürdiger Vorgänge 2 ) ist wohl von vornherein an-zunehmen, daß noch andere interessierte Persönlichkeiten geistigen Ein-fluß auf den Verfasser geübt haben, allen voran der Nachfolger Engel-berts auf dem Erzstuhle, Heinrich von Molenark. Da dabei auch po-litische Gründe maßgebend waren, wenn auch nicht für Caesarius per-sönlich, so kann seine Vita sancti Engelberti als eines der letztenwertvollen Heiligenleben des Mittelalters mit starkem politischem Ein-schlag gekennzeichnet werden. Der Caesarius eigentümlichen Wahr-heitsliebe in Einzelheiten, seiner bereits an vielen Wundergeschichtengeübten Kunst der Situationsmalerei ist es zu verdanken, daß der ge-schichtliche Wert der Vita trotz der in sie hineingetragenen Tendenzein nicht geringer ist. Freilich darf man an sie nicht den Maßstabeiner modernen Biographie legen und etwa eine erschöpfende politischeWürdigung des Helden erwarten.
II. Entstehung.
Ueber die Entstehung und die Textgeschichte der Vita hat sich inso ausgezeichneter Weise bereits der leider 1934 allzu früh der Wissen-schaft entrissene Joseph Greven verbreitet 3 ), daß hier nur übrigbleibt, das Wesentliche seiner Darlegungen zusammenzufassen und zuergänzen. Wie oben schon angedeutet wurde, war die Vita ursprüng-lich als Teil der Libri VIII miraculorum gedacht, und zwar als viertesund fünftes Buch 4 ). Das beweist trotz der Angaben des Caesariusin der Vita ö ) nicht nur die dahin gehende ausdrückliche Aussage imSchlußsatz des Prologs der Libri l! ), sondern auch die Andeutung imgleichen Satze, daß die acht Bücher je mit einem Buchstaben des Ver-fassernamens Cesarius anfangen sollten: in der Tat beginnt der Textder Vita Engelberti mit A ('Ad honorem'), der der Miracula mit R('Referunt') (unten S. 235 und 283) 7 ). Mit Recht nennt Greven dieso bezeichneten Bücher die Urvita und weist darauf hin, daß sie in derVita, so wie sie jetzt vorliegt, zum mindesten aufgegangen ist 8 ). Wenn
') Ueber diese Auffassung vgl. Kleist, a. a. O.
») Vgl. Greven, a.a.O. 28.
») a.a.O. 1—39.
<) Greven, a.a.O. 9ff.
5 ) Im Widmungsbrief für Erzbischof Heinrich von Molenark, derdie Vita einleitet (unten S. 234 f.), und in Buch 2, Kap. 11 der Schlußvon „Qui etiam" ab (unten S. 270).
6 ) Oben S. 16.
7 ) Vgl. oben S. 13.R ) Greven a a. O. 13.