Zweites Kapitel : Fortsetzung. Weitere Qualitäten des Lustgefühls. 523
ändert, d. h. es kommt auch hier in sie mehr und mehr einefremde, d. h. eine Unlustfärbung hinein, ein Moment der Schärfe,des Beunruhigenden, schliefslich des Widrigen. Und dies steigertsich, während der Lustcharakter abnimmt, und endlich völligzurückgedrängt ist. Mit anderen Worten, Lust geht in allenden bezeichneten Fällen in Unlust über durch ein neues Gefühl,das zunächst noch Lustgefühl ist, nur mit einem Beigeschmackvon Unlust, in dem aber dann sukzessive der Beigeschmackvon Unlust zum herrschenden Geschmack wird.
Gefühl der Tiefe.
Endlich ist ein letzter Gefühlsgegensatz, der gleichfalls alseine Art von quantitativem Gegensatz bezeichnet werden kann,für uns der wichtigste. Es ist der Gegensatz des sozusagenauf der Oberfläche der Seele bleibenden, und des in die Tiefegehenden Gefühls. Die besondere Wichtigkeit dieses Gegen-satzes liegt darin, dafs er nicht nur ein qualitativer Gegen-satz innerhalb des ästhetisch Wertvollen ist, sondern zugleichein Gegensatz des gröfseren und geringeren ästhetischen Wertes.
Von diesem Gegensatz war schon früher die Rede. Dasschöne Objekt, so wissen wir, entsteht für mich durch Ein- »fühlung. Die Einfühlung nun fügt zur Oberfläche die „Tiefe“. |Die Tiefe ist der eingefühlte Persönlichkeitsinhalt. Sie ist dieTiefe, bis zu der ich in der ästhetischen Betrachtung in meineigenes Wesen hinabsteige. Sie ist also meine Tiefe, oder dieTiefe meines Wesens. Eben diese Tiefe aber ist zugleich dieTiefe des Objektes, oder die Tiefe, bis zu welcher ich, in derästhetischen Betrachtung, in das Objekt hinabgehe.
Und auch von dieser Tiefe nun habe ich, wie früher schonbetont, ein Gefühl. Sie gibt meinem Lustgefühl den Charakter,den ich eben als Charakter der Tiefe bezeichne. Dafs ich vonjener Tiefe der Einfühlung ein Bewufstsein habe, oder mirdarüber Rechenschaft gebe, ist nicht erforderlich. Dies istSache der psychologischen Analyse. Es genügt, dafs sie mirsich kundgibt, oder dafs ich sie unmittelbar erlebe, in jenemGefühl.