Erstes Kapitel: Qualitäten des Lustgefühls.
509
Dies Quantitätsgefühl oder Gröfsengefühl hat unendlich vieleGrade. Zugleich aber schliefst es einen Gegensatz in sich. Esgibt innerhalb des Kontinuums der Quantitätsgefühle den Gegen-satz des Grofsen und des Kleinen, der dem Gegensatz der Lust-und Unlust vergleichbar ist. Das „Grofse“ ist das über eineMitte Hinausragende; das „Kleine“ ist das dahinter Zurück-bleibende. Diese Mitte ist ein relativer Indifferenzpunkt, ver-gleichbar dem Indifferenzpunkt zwischen Lust und Unlust. Wasihm angehört, hat freilich einen Grad der Quantität, aber es istweder „grofs“ noch „klein“. — Damit hat sich also die Dreiheit:Lust, Unlust, Quantität in einen doppelten Gegensatz ver-wandelt.
Beziehung des Lust- und Quantitätsgefühls.
Die einfache Gegenüberstellung der beiden Gefühlsgegen-sätze „Lust und Unlust“ und „Grofs und Klein“ genügt nunaber nicht.
Zuerst ist zu beachten, dafs dieselben sich durchkreuzen,dafs aber zugleich die Glieder des einen zu den Gliedern desanderen Gegensatzes in Abhängigkeitsbeziehung stehen.
Dafs es so ist, sahen wir schon vorhin. Wird ein ange-nehmer Klang lauter, dann wächst das Lustgefühl, und mit ihmzugleich das Quantitätsgefühl. Oder vielmehr umgekehrt, dasLustgefühl wächst mit dem Quantitätsgefühl. Aber nicht endlos.Sondern, wenn die Lautheit und damit das Quantitätsgefühlweiter und weiter wächst, so nimmt das Lustgefühl ab undschlägt in ein Unlustgefühl um; und von jetzt an wächst mitdem Quantitätsgefühl zugleich das Unlustgefühl.
Wie man sieht, liegt aber eine solche Abhängigkeit schonausgesprochen in der Bezeichnung des Quantitätsgefühls als einesGrundgefühls für Lust und Unlust. Es ist ein Grundgefühldieser Gefühle oder dieser Gefühlsfärbungen, so etwa wie dieEmpfindung der Helligkeit die Grundempfindung ist für alleFarben. Rot ohne Helligkeit, also absolut dunkles Rot, istnicht mehr Rot. Das Rot kann heraustreten und immer röterwerden, nur indem es zugleich immer heller wird. Die Heilig-