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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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251
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Zweites Kapitel: Spezielleres zur Ästhetik einfacher Formen. 251

habe aber immer zugleich auch die flächen- und körperhaftenFormen im Auge. Doch begnüge ich mich bei dieser Weiter-führung der ästhetischen Mechanik mit kurzen Andeutungen.Genaueres bleibt einer späteren Stelle Vorbehalten.

Die erfahrungsgemäfse Zusammengehörigkeit der Teile einesNaturdinges wurde schon bezeichnet als objektive Einheit desDinges; sie ist zugleich Einheit eines Individuums. So ist auchdie Einheit der geometrischen Form Einheit eines Individuums.Nur sind eben jenes Naturindividuen; diese durch gedanklicheHerausnahme der Naturkräfte aus der Natur geschaffene Indi-viduen. Wir können jene konkrete, diese abstrakte Individuennennen.

In der obigen Gegenüberstellung nun der Naturobjekte undder geometrischen Formen war die Einheit oder Individualitätder letzteren gedacht als die vollkommenste oder geschlossenste.Es war vorausgesetzt, dafs die Kräfte, die in der geometrischenLinie wirken, der Linie als Einheit, dafs sie also der ganzen Liniezugehören, dafs sie in ihr überall ein für allemal, demnach schonvon vornherein gegeben sind; dafs ein, ein für allemal undvon vornherein gegebenes Zusammen von Kräften in der Liniefrei sich auswirkt. So ist es etwa in der Kreislinie, der Wellen-linie, der regelmäfsigen Spirale. Demgemäfs schliefst der kleinsteTeil dieser Gebilde das Ganze in sich. Ist der kleinste Teil ge-geben, so folgt daraus die ganze Linie mit mechanischer Not-wendigkeit.

Schon diese absolut einheitlichen Formen können nununter verschiedenen Bedingungen „entstehen“, d. h. in jedemAugenblick von neuem sich erzeugen. Jedes geometrische Ge-bilde ist ein Wesen von bestimmtem Charakter; z. B. leicht oderschwer beweglich, elastisch oder unelastisch. Je nachdem gibtes sich diese oder jene Form, oder gibt es in dieser oder jenerForm sein inneres Wesen kund. Jedermann kennt diesen Unter-schied der leichten, schwereren, elastischen u. s. w. Formen.

Es können aber auch in der Natur einer Form bestimmteWiderstände liegen, z. B. ein Biegungswiderstand, oder einDehnungswiderstand. Dabei besagt der „Biegungswiderstand“,dafs die Form der fortschreitenden Biegung, der „Dehnungswider-