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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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249
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Zweites Kapitel: Spezielleres zur Ästhetik einfacher Formen. 249

Zu jenen Naturgewohnheiten kamen die Zufälligkeiten, dasUnberechenbare, das aller Regel Spottende der Ausgestaltung derNaturformen im Einzelnen; darin gab sich die besondere Freiheitder Naturformen kund. Dieselbe ist uns, so sahen wir, er-freulich, so wie uns die analoge Freiheit des Menschen er-freulich ist; d. h. als Zeichen inneren Reichtums und innererLebendigkeit.

Unendlich vieles, so sagte ich, wirkt ohne Regel auf denMenschen, mannigfache Gedanken und Regungen werden inihm in jedem Augenblicke natürlicherweise geweckt. Darausergibt sich das Bild der Regellosigkeit im Verhalten desMenschen. Umgekehrt weist diese Regellosigkeit auf solchenReichtum und solche Lebendigkeit hin.

Ebenso aber schliefsen auch die Naturobjekte eine im Ein-zelnen nicht erkennbare Mannigfaltigkeit der Kräfte und desZusammenwirkens von solchen in sich. Und auch sie unter-liegen tausend zufälligen Einflüssen von aufsen. Und es ge-hört zum Naturobjekte, dafs es so ist. Dasselbe ist nuneinmal nichts für sich, sondern ein Teil des Naturzusammen-hanges. A

Von dem Naturobjekt nun unterscheidet sich die geometrischeLinie eben dadurch, dafs sie nicht im Naturzusammenhangesteht. Was ihr Wesen ausmacht, gehört freilich der Natur an.

Die mechanischen Kräfte sind Naturkräfte. Aber sie sind in dergeometrischen Linie, und den geometrischen Formen überhaupt,aus dem Naturzusammenhang und unendlichen Wechselspielder Naturkräfte herausgenommen und für sich zur Anschauunggebracht.

Dieser Gegensatz hindert aber nun nicht, dafs dasjenige, ;was uns die Naturobjekte, und dasjenige, was uns die geo-metrischen Formen erfreulich macht, auch wiederum als Einesund Dasselbe erscheint. Die Naturdinge sind uns verständlichund erfreulich, wenn sie den Naturgewohnheiten sich fügen,zugleich aber im Einzelnen der Regel spotten, weil darin ihrinneres Wesen, nämlich ihr Wesen als Naturobjekte, freisich auswirkt oder auszuwirken scheint.

Und die geometrischen Formen sind uns verständlich und